Deutsche Industrie kommt unter Druck

Die Juni-Daten zu den Auftragseingängen und der Produktionsentwicklung in der deutschen Industrie sind enttäuschend ausgefallen. Während die Aufträge gegenüber dem schon schwachen Vormonat noch einmal um 3,2 % gesunken sind, legte die Industrieproduktion immerhin leicht um 0,3 % zu. Allerdings war auch hier ein wesentlich kräftigeres Plus erwartet worden. Insgesamt liegt die Produktion (ohne Bau) im zweiten Quartal nunmehr um 1% niedriger als zwischen Januar und März. Beim Bau fällt das Minus mit rund 6% noch wesentlich gravierender aus.

Sicherlich sind die jüngsten Meldungen zumindest teilweise auf Sondereffekte zurückzuführen und sind nicht unmittelbar als Zeichen für eine Konjunkturabschwächung zu interpretieren. Vor allem beim Bau ist zu konstatieren, dass der Vergleich mit dem Vorquartal hinkt, da das milde Winterwetter zu Jahresbeginn einen starken positiven Einfluss gehabt hat. Auch wurde vom Wirtschaftsministerium darauf hingewiesen, dass der Auftragsrückgang im Juni zu einem starken Maße auf ausbleibende Großaufträge zurückzuführen ist, und unter Ausschluss dieser immer stark schwankenden Großaufträge (worunter vor allem Flugzeugbestellungen fallen) die Auftragslage im Juni sich sogar leicht verbessert hat.

Doch ungeachtet dieser Relativierungen zeigen die Daten, dass die Geschäfte in der deutschen Industrie nicht mehr so positiv laufen wie noch zu Jahresbeginn. Das belegen auch die Umfragen zum Geschäftsklima. Dabei dürften die jüngsten Zuspitzungen der geopolitischen Krisen eine wichtige Rolle spielen, denn schließlich kommen mehr als die Hälfte aller Aufträge für die deutsche Industrie aus dem Ausland. Die jüngsten Rückgänge bei Investitionsgüteraufträgen auch aus dem Inland zeigen, dass sich auch hierzulande einige Unternehmen mit größeren Anschaffungen erst einmal zurückhalten.

Die kommenden Monate werden sicherlich auch durch die weitere Entwicklung an den internationalen Krisenherden, vor allem in der Ostukraine, geprägt werden. Sollte die Situation dort noch weiter eskalieren, könnte die wirtschaftliche Erholung auch bei uns zumindest vorübergehend noch stärker unter Druck kommen.

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