Japan: Wirtschaftswachstum bricht im zweiten Quartal ein

Japans Konjunktur hat im Frühjahr einen schweren Rückschlag erlitten. Die gesamtwirtschaftliche Nachfrage brach um 6,8% ein (Veränderungsraten gegenüber Vorquartal, annualisiert). Maßgebliche Ursache für diesen stärksten Rückgang seit Anfang 2011 war die private Konsumnachfrage, die als Folge der Erhöhung der Konsumsteuer zum 1. April (von 5% auf 8%) um fast 19% schrumpfte. Die Verbraucher haben also sehr stark auf die steuerbedingten Preiserhöhungen reagiert, nachdem sie allerdings im ersten Quartal in hohem Maße vorgezogene Käufe getätigt hatten. Der aktuelle Konsumeinbruch vergleicht sich also mit einem gewissermaßen künstlich nach oben gezogenen Wert aus dem Vorquartal.

Auch die Investitionen zeigten sich im Frühjahr schwach, sie gingen um 12% (Q/Q, annualisiert) zurück. Vor allem die Unternehmen haben sich in den Frühjahrsmonaten sehr vorsichtig gezeigt und sich angesichts gut gefüllter Läger und unsicherer Konsumnachfrage mit Investitionen zurück gehalten. Schließlich haben auch die Exporte aufgrund schwächer als erwarteter Nachfrage aus den USA und Europa negativ zum japanischen Wachstum beigetragen. Allerdings waren aufgrund der geschwächten Inlandsnachfrage auch die Importe rückläufig, was für sich genommen einen ausgleichenden, positiven Einfluss auf das Gesamtwachstum ausgeübt hat.

Ist nach alledem die Kalkulation der Abe-Regierung, dass die Konsumsteueranhebung konjunkturell verkraftbar wäre, fehlgeschlagen? In der Tat war die negative Reaktion der japanischen Konsumenten unerwartet heftig. Die jüngsten Stimmungsindikatoren lassen aber erwarten, dass sich bald eine Normalisierung beim privaten Verbrauch einstellen sollte. Immerhin ist der Konsumklimaindex im Juli zum dritten Mal in Folge gestiegen, auf nun 41,5 Punkte, nachdem er im April unter dem Einfluss der höheren Steuer ein Stimmungstief von nur noch 37 Zählern angezeigt hatte. Praktisch alle Komponenten dieses Index zeigten Verbesserungen. Die Anschaffungsneigung, also die Bereitschaft zum Kauf auch teurer Gebrauchsgüter, bei denen die zusätzliche Steuerlast besonders spürbar ist, blieb konstant. Sie hatte sich schon im Juni deutlich erholt. Sie liegt nun mit 39,6 Punkten um 8,8 Zähler über ihrem Tief vom März.

Risikofaktor für die künftige Konsumkonjunktur ist gleichwohl die Einkommensentwicklung der privaten Haushalte. Sie blieb bislang hinter der Erwartung der Regierung zurück, weil sich viele Unternehmen mit Lohnerhöhungen an ihre Belegschaften zurück gehalten haben und sich teilweise noch immer zurückhalten. Diese Lohnerhöhungen sind aber ein wichtiger Bestandteil der Idee der „Abenomics“, denn schließlich soll durch sie eine positive Spirale nach oben ausgelöst werden: Höhere Nominaleinkommen, höhere Konsumnachfrage, mehr Investitionen und mehr Beschäftigung. Zumindest der zuletzt recht moderate Preistrend beim Rohöl sollte für die hier besonders importabhängige japanische Wirtschaft eine willkommene Entlastung darstellen. Auch die erwartete Stabilisierung und Erholung der Weltkonjunktur sollte die japanische Wirtschaft im zweiten Halbjahr und darüber hinaus stützen. Japans Geldpolitik bleibt derweil unverändert expansiv.

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