Euro-Raum: BIP in Q2 stagniert, aber Strukturreformen kleinerer Länder zahlen sich aus

Das war wieder enttäuschend: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in der Währungsunion hat sich im zweiten Quartal dieses Jahres nicht etwa beschleunigt, sondern stagnierte im Vorquartalsvergleich. Die bisherige Wachstumslokomotive Deutschland bremste überraschend mit einem Quartalsminus von -0,2 Prozent. Die Bauwirtschaft und die Ausrüstungsinvestitionen waren – neben dem Außenhandel – hierzulande der Sand im Getriebe.

Auch für den Euro-Raum insgesamt lassen sich einige Trendaussagen zum Verlauf der einzelnen Verwendungskomponenten ableiten. Auf der Seite der Binnennachfrage dürften positive Impulse vom privaten Konsum gekommen sein – wenn auch nicht übermäßig stark. Die Investitionen dürften dagegen wieder das Quartalswachstum gebremst haben.

Auf Ebene der Einzelländerergebnisse ist erfreulich, dass Spanien mit einem Quartalsplus von 0,6 Prozent das Euro-Ergebnis gestützt hat. Weniger positiv sind dagegen die Meldungen der sonstigen Schwergewichte im Euroraum ausgefallen: Die italienische Wirtschaftsleistung ist erneut leicht gesunken und rutschte in die Rezession, die französische Wirtschaft kam mit ihrem stagnierenden Bruttoinlandsprodukt erneut nicht von der Stelle. Das niederländische Bruttoinlandsprodukt konnte sich von dem starken Rückgang im ersten Quartal wieder erholen, was allerdings stark auf Sondereffekte zurückzuführen ist. Auch die portugiesische Wirtschaft hat im zweiten Quartal mit einem Zuwachs von 0,6 Prozent wieder Boden gut machen können.

Es zeichnet sich also zunehmend ab, dass die kleineren Volkswirtschaften wieder etwas mehr an Schwung gewinnen. Länder, die in den vergangenen Jahren strukturelle Reformen durchgeführt haben, wie Spanien, Portugal oder Irland, nehmen konjunkturell mehr Fahrt auf und dürften verglichen mit dem Durchschnitt der EWU in den nächsten Quartalen überdurchschnittlich wachsen. Die großen Schwergewichte Frankreich und Italien verlieren dagegen an Boden und bremsen die konjunkturelle Erholung. Das Wachstum bleibt hier aufgrund struktureller Probleme in beiden Ländern schwach und läuft der Entwicklung im restlichen Währungsgebiet hinterher.

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