Das Investitionsproblem in Deutschland

Bereits seit einigen Jahren weisen internationale Organisationen auf einen wachsenden Rückstand bei den Investitionsausgaben in Deutschland hin. Jüngst hat auch die Bundesregierung auf die schwache Investitionsentwicklung reagiert und eine externe Expertenkommission berufen, sie erhofft sich vom ihr „neue wirtschaftspolitische Antworten“.

Dabei ist die grassierende Investitionsschwäche zunächst nicht nur ein deutsches, sondern ein europaweites Phänomen. Auch in anderen Ländern wurde in den letzten Jahren weniger investiert, allerdings liegt die Investitionsquote in Deutschland noch unterhalb des EWU-Durchschnitts. Das ist angesichts der relativ robusten Wirtschaftsentwicklung hierzulande besonders alarmierend.

Die Investitionsausgaben in Deutschland sind – relativ zur Wirtschaftsleistung – schon seit den 70er Jahren rückläufig. In den letzten Jahren hat sich dieser Abwärtstrend noch verstärkt. Dabei ist eine höhere Dynamik der privaten und der öffentlichen Investitionen besonders wichtig, um das Wachstum stärken. Das gilt kurzfristig, denn die Investitionsausgaben sind üblicherweise eine wichtige Konjunkturstütze im Aufschwung, aber auch langfristig, denn vor allem die Infrastrukturinvestitionen sind eine wichtige Basis für eine gute Wirtschaftsentwicklung.

Der Trend zu immer weniger öffentlichen Investitionen ist daher sicherlich als der kritischste Punkt zu sehen. Wenn die bestehende Infrastruktur nicht ausreichend erhalten und ausgebaut wird, werden sich die Folgekosten in einigen Jahren bemerkbar machen. Die Qualität besonders der Verkehrsinfrastruktur ist ein wichtiger Standortfaktor, der auch für private Investitionsentscheidungen eine zentrale Rolle spielt. Insofern ist der Forderung des Internationalen Währungsfonds und anderer Organisationen nach verstärkten Anstrengungen bei den öffentlichen Investitionen durchaus zuzustimmen. Angesichts eines Rekordwertes bei den Steuereinnahmen sollte die Finanzierung zusätzlicher staatlicher Investitionsausgaben in Deutschland vor allem eine Frage der richtigen Prioritätensetzung sein.

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