EZB: Erneute Zinssenkung und Einstieg in die quantitative Lockerung

Neben einer erneuten Senkung der Leitzinsen hat Mario Draghi im Rahmen der Pressekonferenz nach der EZB-Ratssitzung am Donnerstag ein Kaufprogramm von ABS-Papieren und Covered Bonds bekannt gegeben. Im EZB-Rat wurde auch über ein noch größer angelegtes Kaufprogramm diskutiert. Dieses dürfte dann wohl auch Staatsanleihen betreffen. Laut EZB-Chef Draghi ist das Maßnahmenpaket ein Mittelweg, um im EZB-Rat eine Mehrheit zu erreichen. Die EZB habe sich laut Draghi auch deshalb gegen ein noch breiter angelegtes Programm entschieden, weil für sie der verstopfte Kreditkanal Vorrang habe. Sie möchte explizit ein stärker zielgerichtetes „Credit easing“ und kein breit angelegtes „Quantitative easing“. Dennoch kann das Programm letztlich schon als Einstieg in ein groß angelegtes Kaufprogramm („QE“) betrachtet werden – ob es weitere Schritte geben wird, bleibt zunächst offen.

Mit den bislang beschlossenen Maßnahmen stellt die EZB den Banken gezielt Liquidität zur Verfügung, die ausschließlich für die Kreditvergabe genutzt werden soll. Andererseits wird mit dem ABS-geprägten Ankaufprogramm der Hauptkritikpunkt an den bedingten Tendern entschärft – nämlich, dass die Banken diese Tender nicht zur Kreditvergabe nutzen, da sie kein Interesse daran haben, ihre Bilanzsummen auszuweiten. Die Erfolgsaussichten können letzten Endes aber erst dann beurteilt werden, wenn die Details veröffentlicht werden.

Das Ankaufprogramm von Covered Bonds ist unseres Erachtens kritischer zu sehen als das ABS-Programm. So hat die EZB schon bei ihrem letzten Eingreifen am Covered Bond Markt festgestellt, dass es kaum möglich war, signifikante Beträge aufzukaufen. Investoren dürften tendenziell auch dieses Mal kaum bereit sein, größere Bestände an die EZB abzugeben, da es ihnen ohnehin an alternativen Investitionsmöglichkeiten mangelt. Allerdings kann nicht ausgeschlossen werden, dass Geschäftsbanken derzeit für Repogeschäfte hinterlegte eigene Covered Bonds aufgrund der zusammengelaufenen Spreads an die EZB verkaufen werden.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass das nun verkündigte Aufkaufprogramm von ABS und Covered Bonds im aktuellen Umfeld sicherlich kaum schadet. Dennoch überraschen die Maßnahmen und vermitteln den Eindruck von Aktionismus. Die rückläufigen Inflationserwartungen und die schwache konjunkturelle Dynamik lassen sich hierdurch kaum nachhaltig beeinflussen, so dass im Falle einer weiteren Verschlechterung der konjunkturellen und der geopolitischen Situation schon bald Erwartungen auf ein groß angelegtes Kaufprogramm von Staatsanleihen aufkommen dürften.

 

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