Politik der EZB wird zu noch niedrigeren Renditen führen

Nach der gestrigen EZB-Pressekonferenz wird ein großangelegtes Kaufprogramm der Europäischen Zentralbank unseres Erachtens immer wahrscheinlicher. Insbesondere die Aussage von EZB-Präsident Draghi, dass er die Notenbankbilanz deutlich ausweiten möchte, spricht dafür, dass die gestrigen Maßnahmen den Einstieg in ein größer angelegtes „Quantitative Easing“ im Stile der US-Notenbank darstellen. So gehen wir nicht davon aus, dass die angekündigte Maßnahme zum Kauf von ABS und Covered Bonds die Bilanz der EZB schnell und signifikant ausweiten wird. Um die Märkte zu beeindrucken und sich nicht dem Vorwurf eines halbherzigen Handelns auszusetzen, müsste die EZB ein Programm mit einem hohen Volumen auflegen. Dies erscheint nur bei einem Kauf von Staatsanleihen möglich.

Zusammengefasst deutet unseres Erachtens derzeit nahezu alles darauf hin, dass die EZB Anfang des kommenden Jahres ihren Instrumentenkasten ein weiteres Mal ausweiten wird. Je länger die Inflationsraten im Euro-Raum auf ihren gegenwärtigen, niedrigen Niveaus verharren und die Inflationserwartungen weiter sinken oder sich zumindest nicht stabilisieren, desto wahrscheinlicher wird ein „Quantitative Easing“ im Stile der US-Notenbank. Außerdem kann die EZB deutlich mehr Argumente für den Kauf von Wertpapieren ins Feld führen und damit auch die Kritiker überzeugen, wenn die derzeit initiierten bedingten Tender (TLTRO) nicht genug Anklang bei den Geschäftsbanken finden und die Käufe von ABS und Covered Bonds nur schleppend vorangehen.

Wir gehen nun in unserem Hauptszenario davon aus, dass die EZB in einigen Monaten den letzten Pfeil aus dem Köcher ziehen und ihr Kaufprogramm deutlich ausweiten wird. Für unsere Zinsprognose bedeutet dies, dass wir die Renditen der zehnjährigen Bunds deutlich niedriger als bisher sehen. Sie dürften auf Sicht von sechs Monaten bis auf Niveaus um die 0,50% sinken und danach wieder leicht anziehen. Die Renditestrukturkurve dürfte, nach vorne blickend, deutlich flacher verlaufen als derzeit.

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