EZB kauft ab Oktober auch Asset Backed Securities

Die EZB hat auf ihrer Pressekonferenz am vergangenen Donnerstag neben erneuten Zinssenkungen auch weitere Angaben zum bereits avisierten ABS-Ankaufprogramm (ABSPP) gemacht sowie zusätzlich ein – vom Markt nicht erwartetes – Covered Bond-Programm (CBPP3) angekündigt. Hintergrund ist die realwirtschaftliche Stagnation im zweiten Quartal in der Eurozone, die zu niedrige Inflationsrate von zuletzt 0,3% im August bei weiterhin niedrigen Inflationsprojektionen für die kommenden Jahre sowie die rückläufige Kreditvergabe in der Eurozone.

Beide Programme sollen bereits im Oktober anlaufen und erstrecken sich voraussichtlich über eine Laufzeit von bis zu zwei Jahren. Historisch hat die EZB bereits zwei Covered Bond-Programme aufgelegt, für ABS der Eurozone stellt dies ein Novum dar. Der Fokus liegt auf einem gezielten “credit easing”: Der durch die beiden Programme und die gezielten Langfristtender (TLTRO) ausgelöste monetäre Stimulus soll die schleppende Kreditvergabe in der Eurozone ankurbeln. Details der Programme werden erst im Oktober bekannt gegeben. Jedoch lässt sich schon heute ableiten, dass die EZB entgegen ersten Ankündigungen auf ein deutlich breiteres ABS-Spektrum abzielt als lediglich Verbriefungen von Krediten kleinerer und mittlerer Unternehmen (KMU). Adressiert wird vielmehr der gesamte „nicht-finanzielle, private“ Sektor in der Eurozone, der über Verbriefungen refinanziert wird. Konkrete Angaben bezüglich der Papiere, die von der EZB gekauft werden, gab es auf der Pressekonferenz jedoch noch nicht.

Die EZB kann sowohl am Primär- als auch im Sekundärmarkt aktiv werden. Wir können uns jedoch auch vorstellen, dass sich ein nicht unerheblicher Teil der Ankäufe über einbehaltene Alttransaktionen vollzieht, die bis dato großteils bei der EZB im Rahmen von Wertpapierpensionsgeschäften hinterlegt wurden. Ihr ist jedoch nicht daran gelegen, durch ihre Maßnahmen private Investoren zu verdrängen. Daher wird sie in funktionsfähigen Marktsegmenten so gut wie nicht aktiv werden. Umgekehrt dürften funktionsgestörte Segmente im Fokus stehen. Der europäische Verbriefungsmarkt ist in weiten Teilen immer noch nicht voll funktionsfähig. Platzierungsprobleme bestehen vor allem da, wo er aus volkswirtschaftlicher Sicht besonders benötigt wird: in der Euro-Peripherie sowie bei der KMU-Finanzierung. Ansatzpunkte für das ABSPP bestehen daher regional vor allem für Papiere aus Spanien, Italien und Portugal. In sektoraler Hinsicht besteht Handlungsbedarf vor allem bei Verbriefungen von Krediten kleiner und mittlerer Unternehmen, von Wohnungsbaudarlehen und Konsumentenkrediten.

Wie die EZB auch betont, sind zusätzlich regulatorische Maßnahmen in Bezug auf ABS sowie strukturelle Reformen in den Krisenländern erforderlich.

 

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