Chinas Industrie schwächelt – Neue Konjunkturmaßnahmen wahrscheinlich

Der Rückgang der Einkaufsmanagerindizes für Chinas Verarbeitendes Gewerbe hatte es bereits angedeutet: Die Zuversicht in der chinesischen Industrie hat im August deutlich gelitten, die Auftragslage war schlechter, die Produktionsentwicklung schwächer als im Vormonat. Dass das Wachstum der Industrieproduktion im August aber auf den niedrigsten Wert seit der Wirtschaftskrise zurückgefallen ist, war nun doch reichlich überraschend. Muss angesichts dieser schwachen Zahlen mit einer stärkeren Abkühlung der Konjunktur, gar mit einem „hard landing“ in China gerechnet werden?

Hintergrund der aktuellen Entwicklung dürfte vor allem die nachlassende Schubkraft des staatlichen Konjunkturpaketes sein, das Peking im Frühjahr auf den Weg gebracht hat. Dadurch hatten sich Industrieproduktion und staatliche Ausgabentätigkeit in den Frühjahrsmonaten beschleunigt, das Wachstum der Gesamtwirtschaft konnte stabilisiert werden. Dieser „Einmal-Effekt“ hat nun zu entsprechend gegenläufigen Entwicklungen geführt. Gleichzeitig leidet die gesamte Binnenkonjunktur des Landes schon seit Monaten unter dem Abschwung von Immobilienmarkt und Bausektor, wofür hauptsächlich bremsende Maßnahmen aus Peking verantwortlich sind, die auf die Beschränkung des spekulativen Erwerbs von Immobilien zielen.

Die aktuellen Zahlen zur Industrieproduktion sind sicherlich bedenklich schwach. Andere Konjunkturdaten, wie die kräftige Exportentwicklung oder die stabile Konsumnachfrage, relativieren das Bild aber. Außerdem gehen wir davon aus, dass Peking das im März offiziell verkündete Wachstumsziel für die Gesamtwirtschaft in diesem Jahr auf jeden Fall und um jeden Preis – zumindest annähernd – einhalten will. Ob es schließlich genau bei 7,5 Prozent getroffen oder geringfügig unterschritten wird, hängt letztlich primär von den politischen Spielräumen ab, die sich Pekings Reformer erkämpfen konnten. Wir vermuten deshalb, dass die chinesische Regierung kaum zögern wird, recht bald erneute Stimulierungsmaßnahmen auf den Weg zu bringen, um der Konjunktur im bevorstehenden vierten Quartal wieder mehr Schwung zu verleihen. Die beschränkenden Regeln für den Immobilienkauf wurden bereits von zahlreichen Kommunen aufgeweicht.

Noch hat China die Möglichkeiten, die Konjunktur erfolgreich zu stabilisieren und das Wachstum künstlich hoch zu halten. Klar ist aber auch, dass dieses Vorgehen im klaren Widerspruch zu den erklärten Reformzielen der chinesischen Führung steht, den Reformprozess verzögert und die Stabilitätsrisiken des Landes erheblich erhöht. Lange wird sich diese Strategie daher nicht mehr fortsetzen lassen. Wir sollten uns deshalb längerfristig auf niedrigere Wachstumsraten aus China einstellen.

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