Irland: Vorzeitige Rückzahlung der IWF-Kredite steht bevor

Irland plant eine vorzeitige Rückzahlung seiner IWF-Kredite mit dem Ziel, die Zinsbelastung auf die Staatsschulden in den anstehenden Jahren zu reduzieren. Die Hürde, die einer vorzeitigen Rückzahlung theoretisch im Wege steht: Im Rahmen der Hilfszahlungen, die auf die grüne Insel geflossen sind, müssten alle Kreditgeber ihre Gelder zurückerhalten, falls einer von ihnen vorzeitig ausgezahlt wird. Da die IWF-Kredite die höchste Zinsbelastung aller Hilfsgelder aufweisen, erscheint eine vorzeitige Rückzahlung besonders attraktiv.

Es zeichnet sich ab, dass Irland die für die vorzeitige Rückzahlung der Kredite notwendige Zustimmung der Gläubiger erhalten wird. Nachdem der IWF bereits vor einiger Zeit Kooperationsbereitschaft signalisierte, sprachen sich die Euro-Finanzminister auf ihrem Eurogruppen-Treffen am Freitag ebenfalls für eine vorzeitige Rückzahlung aus. Am Samstag erhielt Dublin dann zusätzlich grünes Licht von allen 28 EU-Finanzministern. Darunter auch die Finanzminister des Vereinigten Königreichs, Dänemarks und Schwedens – diese drei Länder hatten Irland direkte Finanzhilfen in Form bilateraler Kredite zugestanden.

Durch die vorzeitige Rückzahlung verspricht sich der irische Finanzminister Noonan Einsparungen in Höhe von 300 bis 400 Millionen Euro pro Jahr. Ministerpräsident Kenny sprach von Einsparungen in Höhe von 1,5 Milliarden Euro über die nächsten fünf Jahre.

Eine vorzeigte Rückzahlung der IWF-Kredite wäre ein Zeichen der Stärke des irischen Fiskus. Neben dieser Signalwirkung zielt der irische Staat aber natürlich vor allem auf die mit der Rückzahlung verbundenen Einsparpotentiale ab. Diese ergeben sich aus dem Umstand, dass Irland auf die IWF-Kredite effektive Zinsen in Höhe von circa 5,0 Prozent zahlt – sich gegenwärtig am Kapitalmarkt jedoch deutlich günstiger refinanzieren kann. Aus der Zinsdifferenz ergeben sich Einsparpotentiale, wenn unterstellt wird, dass Irland zur vorzeitigen Rückzahlung zusätzliche irische Staatsanleihen emittiert. Denkbar wäre jedoch auch, dass Irland seine durchaus beträchtlichen Barreserven in Höhe von circa 20 Milliarden Euro – zumindest anteilig – zur Tilgung heranzieht. Diese Variante hätte zusätzlich den Charme, dass sich die Gesamtverschuldung entsprechend reduzierte. Da sich die mittlerweile wieder gute irische Bonität allerdings zum Teil aus den hohen Barreserven (die Irland allerdings effektiv Geld kosten) ergibt, ist damit zu rechnen, dass der Großteil der zur vorzeitigen Rückzahlung notwendigen Mittel über den Kapitalmarkt beschafft wird. Vorstellbar wäre eine Reduzierung der Barmittel um etwa fünf Milliarden Euro.

Auf den irischen Haushalt hätte die vorzeitige Rückzahlung unmittelbar positive Auswirkungen. Das Haushaltsdefizit, das im Jahr 2015 nach Planungen der irischen Finanzagentur 2,9 Prozent des BIP betragen soll, könnte um weitere 300 bis 400 Millionen Euro im kommenden Jahr reduziert werden, was wiederum circa 0,1 bis 0,2 Prozentpunkte ausmachen würde. Auch die folgenden Defizitquoten würden sich entsprechend verringern. Die Gesamtverschuldung würde sich hingegen lediglich dann reduzieren, falls Irland – wie beschrieben – die Verwendung der Barreserven in Erwägung zieht.

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