Erster TLTRO: Banken bieten für 82,6 Mrd. Euro

Heute hat die EZB bekannt gegeben, dass 255 Banken insgesamt 82,6 Mrd. Euro beim ersten der neuen EZB-Langfristtender (TLRTO) beantragt haben. Dies ist weniger als von Marktteilnehmern erwartet wurde. Mit dem geringen Interesse nimmt der Druck auf die EZB zu, weitergehende Maßnahmen zu beschließen. Zwar steht ein groß angelegter Ankauf von Staatsanleihen damit nicht unmittelbar bevor – er ist aber einen Schritt näher gerückt.

Mit den TLTROs steht den europäischen Banken eine neue günstige Refinanzierungsquelle zur Verfügung. Allerdings ist die Laufzeit dieser Refinanzierung auf maximal vier Jahre begrenzt. Dies setzt voraus, dass die Banken ihre Kreditausleihungen an den Privatsektor (ohne Finanzunternehmen und Hypothekenkredite) relativ zum 30. April 2014 nicht verringern. Ansonsten müssen die Banken die Mittel nach zwei Jahren zurückzahlen. Gerade in Ländern, in denen die EZB-Mittel am stärksten gebraucht werden, dürfte die Erfüllung dieser Bedingung am schwersten zu erfüllen sein.

Die TLROs sind insbesondere notwendig, um die nach wie vor bestehenden großen Unterschiede in den Kosten der Kapitalmarktrefinanzierung sich nicht zu deutlich auf die Kreditzinsen auswirken zu lassen. Dennoch wird die EZB auf diese Weise nicht erreichen können, dass sich die Kreditzinsen in der gesamten Eurozone deutlich annähern, da die Kreditmargen der Banken neben den Eigenkapitalkosten insbesondere auch die Kosten zukünftig erwarteter Kreditverluste abdecken müssen. Inwieweit die EZB das Ziel einer Ausweitung beziehungsweise zumindest Stabilisierung der Kreditversorgung in der Eurozone und insbesondere den Peripherieländern wird erreichen können, ist schwer zu beantworten. Einen positiven Beitrag können die TLTROs in jedem Fall leisten. Eine größere Wirkung könnte jedoch die Bekanntgabe der Ergebnisse der EZB-Tests entfalten. Solange sich die Aussichten für das Wirtschaftswachstum in Portugal, Italien und Spanien jedoch nicht deutlich verbessern, werden günstige Kredite der EZB kaum die Realwirtschaft erreichen.

 

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