Französische Schulden erstmals über 2 Billionen Euro

Nach aktuellen Zahlen des französischen Statistikamts Insee ist der Staatsschuldenstand unseres Nachbarlandes zum Ende des zweiten Quartals erstmals über die Marke von 2 Billionen Euro (genau 2,0237 Billionen Euro) geklettert. Im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt entspricht dies einer Quote von 95,1 Prozent, was erheblich über dem Maastricht-Referenzwert von 60 Prozent liegt. Gegenüber dem ersten Quartal 2014 ist der Schuldenberg immerhin um fast 29 Milliarden Euro gewachsen.

Ein Teil des Schuldenzuwachses ist auf neue statistische Verbuchungsregeln zurückzuführen. So wurden die Schulden einer staatlichen Autobahnagentur in Höhe von 7,2 Milliarden Euro auf den Staatsschuldenstand angerechnet. Ein weiterer Teil des Schuldenzuwachses dürfte der schwachen Konjunktur zuzuschreiben sein, was quasi automatisch zu höheren Ausgaben und geringeren Einnahmen führt. Aber ein weiterer Teil ist Folge hausgemachter Probleme in der französischen Fiskalpolitik.

Beim genaueren Blick auf die Zahlen fällt nämlich auf, dass der Schuldenzuwachs alleine vom Zentralstaat kommt. Dagegen haben sowohl die regionalen Gebietskörperschaften, die Sozialversicherungen und die weniger wichtigen Zentralagenturen ihren Schuldenberg etwas abtragen können. Damit wird umso deutlicher, wie drängend die Konsolidierungsaufgabe für das Gespann Hollande und Valls ist. Ein falsches Signal war es vor diesem Hintergrund, dass die Regierung die Erreichung der 3-Prozent Marke für das Staatsdefizit von 2015 auf 2017 nach hinten geschoben hat. Da noch viele Teile ihres groß angekündigten Konsolidierungsplans in Höhe von 50 Milliarden Euro zwischen 2015 und 2017 mit Leben gefüllt werden müssen, wird es also höchste Zeit für Hollande und Valls, den Schuldenzuwachs stärker zu kappen. Sonst könnte schon im nächsten Jahr die Marke von 100 Prozent für den Staatsschuldenstand gerissen werden.

Artikel bewerten


Vielen Dank für Ihre Wertung. Ihre Wertung:
Aktuell ist noch keine Bewertung vorhanden. Seien Sie der Erste! Aktuelle durchschnittliche Bewertung des Artikels: 0

Hinterlasse eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *