Japan: Tankan-Bericht zeugt von Konjunkturskepsis

Der jüngste Tankan-Bericht der japanischen Notenbank zeichnet für das soeben abgelaufene dritte Quartal ein sehr gemischtes Stimmungsbild der Unternehmen. Auf alle Unternehmen in allen Sektoren bezogen ging die Beurteilung des aktuellen Geschäftsumfeldes deutlich zurück, und zwar von +7 auf nur noch +4 Punkte. Exakt derselbe Rückgang gilt auch für die Geschäftserwartungen in den kommenden drei Monaten. Dieser niedrige Punktestand ist nur noch wenig über der neutralen Linie von Null, bei der sich optimistische und skeptische Einschätzungen gerade ausgleichen.

Entgegen den Erwartungen am Markt und anders als die Unternehmen im Servicesektor haben sich allerdings die großen und in der Regel exportintensiven Industrieunternehmen insgesamt etwas positiver geäußert als vor drei Monaten. Sie bewerten ihr aktuelles Umfeld nun mit 13 Punkten (zuvor 12). Dem steht allerdings ein leichter Rückgang bei ihren künftigen Erwartungen gegenüber (von 15 auf 13 Punkte). In der etwas verbesserten Beurteilung ihrer aktuellen Geschäftslage mag sich unter anderem die Abwertung des Yen niederschlagen, die in den letzten drei Monaten zu verzeichnen war und die den exportstarken Unternehmen eine Verbesserung der Gewinnmargen ermöglicht hat. Dass sich dieser Effekt nun in gleicher Weise fortsetzt, wird aber offenbar nicht als automatisch gegeben unterstellt. In ihrer gewachsenen Skepsis über die zukünftigen Absatzmöglichkeiten mag auch die derzeit recht schwierige Lage am Weltmarkt und besonders die Wachstumsabkühlung in China zum Tragen kommen.

Das Ergebnis der Tankanumfrage bestätigt darüber hinaus auch das Bild der vergangenen Quartale, dass die kleineren Unternehmen in der Regel deutlich skeptischer gestimmt sind als die großen, und der Servicesektor von der schleppenden Nachfrage im Inland besonders getroffen wird. Bei kleinen Industriefirmen überwiegt sogar der Pessimismus (Indexwert: -1), bei den kleinen Servicebetrieben beträgt der jüngste Tankanwert gerade Null. Aber auch bei den großen Serviceunternehmen (Hotels, Autovermietungen, Restaurantketten, etc.) ist die aktuelle Stimmung stark gesunken (von 19 auf 13). Die höhere Konsumsteuer macht offenbar ihnen ganz besonders zu schaffen.

Die japanische Regierung kann nicht davon ausgehen, dass sich die Wirtschaftslage und die Konsumstimmung , die nach der Anhebung der Konsumsteuer am 1. April regelrecht eingebrochen ist, sich nun quasi von selbst wieder erholt. Der Tankan ist jedenfalls kein besonders gutes Omen für die Konjunktur bis zum Jahresende. „Abenomics“, also die expansive Wirtschaftspolitik des Regierungschefs, stößt an ihre Grenzen, solange sie nicht – wie versprochen – endlich von stimulierenden Strukturreformen und Liberalisierungen ergänzt wird. Hier hat Shinzu Abe bislang nur ungenügend „geliefert“. Der Bank of Japan gibt der jüngste Tankanbericht dagegen genügend Rechtfertigung, an ihrer quantitativen Lockerungspolitik vorerst unverändert festzuhalten.

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