EZB: Anleihekäufe ab Oktober

Kern der heutigen EZB-Pressekonferenz war die Bekanntgabe von Details für das ABS- und das Covered-Bond-Ankaufprogramm. Die Programme sollen mindestens zwei Jahre andauern. Bei den ABS-Papieren sollen Senior- und garantierte Mezzanine-Tranchen von Emittenten mit Sitz in der Eurozone gekauft werden. Welche Kriterien für die Mezzanines gelten, wird zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlicht. Im Rahmen des ABS-Ankaufprogramms sollen auch Papiere aus Euroländern mit einem Rating unterhalb von BBB- angekauft werden. Bei den Covered Bonds lautet das Mindestrating BBB-. Die Umsetzung der Käufe obliegt den nationalen Notenbanken, die sowohl am Primär- als auch Sekundärmarkt tätig werden sollen. Die EZB verfolgt mit den Anleihekäufen das Ziel, ihr Bilanzvolumen auf das Niveau von Anfang 2012 zurückzuführen. Dies entspricht nach Aussagen von Draghi einem Ankaufvolumen von rund einer Billion Euro. Allerdings will er sich auf konkrete Zahlen nicht festlegen, da die eigene Bilanz kein „echtes“ Ziel der EZB sein könne, sondern nur ein Instrument, um das eigentliche Ziel einer Inflationsrate von 2% zu erreichen. Draghi schließt nicht aus, dass die EZB weitere Maßnahmen ergreifen werde, sofern dies die wirtschaftliche Entwicklung erforderlich mache.

Die Wachstumsdynamik in der Eurozone sieht die EZB als gedämpft an. Die Inflation dürfte, so heißt es, aufgrund eines schwachen Kreditwachstums, rückläufiger Energiepreise und einer Unterauslastung der Wirtschaft in den kommenden Monaten niedrig bleiben. Die laufende EZB-Bankenprüfung werde, wenn abgeschlossen, die derzeit schwache Kreditvergabe stützen. Wie üblich ermahnte der EZB-Präsident die Regierungen in der Eurozone, den durch die niedrigeren Zinsen eröffneten Fiskalspielraum zu nutzen, um Strukturreformen voranzutreiben.

Insgesamt gesehen scheint derzeit der Druck auf die EZB zu wachsen, weitere Maßnahmen zur Stützung der Konjunktur und im Kampf gegen potenzielle Deflationsgefahren zu ergreifen. Uns erscheinen die angekündigten Ankaufprogramme für ABS-Papiere und Covered Bonds wenig geeignet, das von der EZB angestrebte Ziel einer deutlichen Ausweitung der EZB-Bilanz zu erreichen. Sollte die EZB vor allem Anleihen aus dem schon jetzt bestehenden Sicherheitenpool ankaufen, wäre der Effekt auf die EZB-Bilanz im Zweifel gleich Null, da eine solche Transaktion nur einen Aktivtausch darstellt und damit die Kreditvergabe der EZB insgesamt nicht erhöht. Ein breit angelegtes Kaufprogramm von Staatsanleihen bleibt damit auf der Agenda.

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