Rohöl: Übertriebener Preissturz

Nachdem die Rohölpreise bis Mitte Juni wegen angebotsseitiger Störungen und geopolitischer Konflikte deutlich zugelegt hatten, sind sie seit Erreichen des frühsommerlichen Zwischenhochs unter erheblichen Abgabedruck geraten.

Ein Kernfaktor des „gefühlten Klippensturzes“ basiert auf dem überzogenen Rohölpreis von Mitte Juni, der sich infolge einer marktseitigen Fehlinterpretation der innerirakischen Sicherheitslage ergeben hat. So hatte die übertriebene Furcht vor gravierenden Produktionsausfällen im Süden des Irak (in Reaktion auf die schnellen Geländegewinne der IS-Terror-Miliz) den Rohölpreis auf 116 USD klettern lassen.

Dass die Korrektur der Rohölnotierungen im Laufe der vergangenen sechs Wochen über eine reine Preisnormalisierung in Richtung 105 USD hinausging, hatte seine weiteren Ursachen in der deutlichen Stabilisierung der libyschen Rohölproduktion, der maßgeblich durch die IEA losgetretenen Investorensorge vor einer zunehmenden Entschleunigung der globalen Nachfragedynamik, einem Rückzug der Spekulation sowie der ausgeprägten USD-Rallye.

Zwar existiert derzeit (noch) ein moderater Angebotsüberschuss auf dem Rohölmarkt, doch wird sich dieser im Verlaufe des 2H2014 sukzessive auflösen, da die Nachfrage in den nächsten Monaten aus saisonalen Gründen wieder spürbar anzieht und die OPEC den Versorgungsmantel des globalen Rohölmarktes eher recht eng schneidern wird.

Fazit: Die Rahmendaten auf dem Rohölmarkt haben sich zuletzt objektiv eingetrübt, so dass wir unsere (bis Ende 2015 reichende) Rohöl-Preisprognosereihe um ~3% zurücknehmen. Ungeachtet dieser Prognosereduktion erachten wir den Preisverfall der letzten Wochen als derart exzessiv, dass wir unsere positive Rohöleinschätzung umso vehementer unterstreichen. Vor dem Hintergrund einer in den kommenden Monaten saisonal stark anziehenden Nachfrage, (preisopportunistischer) Auffüllungen der strategischen Rohölreserven in China und Indien, wieder stärker in das Investoren-Bewusstsein drängender geopolitischer Bedrohungslagen und damit eines Comebacks der (gegenwärtig faktisch komplett ausgepreisten) geopolitischen Risikoprämie, einer mit Augenmaß produzierenden OPEC und einer Rückkehr der Rohöl-Spekulation rechnen wir mit einem substanziellen Wiederanstieg der Brent- und WTI-Rohölpreise auf 106 bzw. 99 USD per Ende 2014 und 112 bzw. 104 USD per Ende 2015.

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