Sommerloch – und etwas mehr – in der deutschen Industrie

Nach dem gestrigen Einbruch bei den deutschen Auftragseingängen gab es auch bei den Daten zur Produktion im produzierenden Gewerbe für August eine böse Überraschung: Denn der Ausstoß der Produktionsunternehmen ist mit einem Minus von 4,0% gegenüber dem Vormonat so stark eingebrochen wie zuletzt im Januar 2009. Besonders kräftig war der Rückschlag im Industriesektor (-4,8% gegenüber Juli). Deutlich abgesackt ist in diesem Sektor die Herstellung von Investitionsgütern, die um 8,8% gegenüber Juli eingebrochen sind.

Worauf sind diese schwachen Daten zurückzuführen? Zum einen dürfte ein Sondereffekt zum Tragen gekommen sein, nämlich die späte Lage der Sommerferien in vielen Bundesländern. Dies sollte die Produktion im August etwas stärker gedämpft haben als üblich. Zum anderen aber – und dies dürfte weitaus gewichtiger sein – gibt es immer mehr Störfeuer für die deutsche Industrie aus dem Ausland: vor allem der schwache Konjunkturverlauf in Euroland und der Ukraine-Russland-Konflikt mit den sich verschärfenden Wirtschaftssanktionen, aber auch die Unsicherheit durch sonstige geopolitische Krisenherde wie in Syrien und Irak. Dies hat sich auch bei den August-Daten zu den Auftragseingängen gezeigt. Dort sind vor allem die Bestellungen aus dem Ausland überproportional eingebrochen.

Was bedeuten die aktuellen Daten für das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal? Mit dem August liegen nun die Zahlen zur Produktion für zwei Monate des dritten Quartals vor. Rechnerisch ergibt sich daraus ein weiteres Minus von 0,7% für die Produktion im produzierenden Gewerbe. Schon im zweiten Quartal ist die Produktion um 1,1% gesunken. Zwar dürfte sich die Produktion im September – auch aufgrund des „Ferieneffekts“ – wieder nach oben bewegen. Aber ob damit das Quartalsergebnis für die Produktion in die schwarzen Zahlen rutscht, ist eher unwahrscheinlich. Damit ist das Risiko gestiegen, dass das deutsche Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal abermals enttäuschen könnte.

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