US-Konjunktur: Jüngste Indikatoren zeigen ein gemischtes Bild, aber insgesamt robustes Wachstum

Sorgen über eine schwächere Dynamik der Weltwirtschaft haben auch zu Zweifeln an der Robustheit der US-Wirtschaft geführt. Die in der abgelaufenen Woche veröffentlichten Daten zur US-Konjunktur wurden daher besonders genau analysiert und sorgten an den Finanzmärkten für ein Wechselbad der Gefühle. Während am Mittwoch die Umsätze der Einzelhändler im September überraschend schwach ausfielen, wurde am Donnerstag von der Industrie eine kräftige Steigerung der Produktion gegenüber dem Vormonat gemeldet. Die heute veröffentlichten Daten zu den Baubeginnen vervollständigen den Datenreigen für das dritte Quartal. Darüber hinaus zeigen sie, dass kein Anlass für überbordenden Konjunkturoptimismus besteht. Anlass für eine Abwärtsrevision unserer Wachstumsprognose für die Vereinigten Staaten sehen wir in den jetzt vorliegenden Zahlen aber auch nicht. Wir gehen unverändert davon aus, dass Ende Oktober für das dritte Quartal eine Wachstumsrate der Wirtschaftsleistung von rund drei Prozent (annualisiert) veröffentlicht wird. Auch im Schlussquartal rechnen wir mit einer ähnlichen Steigerungsrate. Nach unserer Einschätzung läuft der Konjunkturmotor in den USA rund, mit einer weiteren Beschleunigung rechnen wir in den kommenden Quartalen allerdings nicht.

Besonders der Rückgang des Einzelhandelsumsatzes hatte für Verunsicherung gesorgt, da der private Verbrauch immerhin rund zwei Drittel des US-Bruttoinlandsproduktes ausmacht. Zwar profitiert der private Konsum weiter von der inzwischen recht flott voranschreitenden Erholung am Arbeitsmarkt. Dennoch rechnen wir für dieses Jahr „nur“ mit einem Anstieg um knapp zweieinhalb Prozent, das entspräche dem Plus vom Vorjahr. Die Lage am Arbeitsmarkt ist zwar schon recht gut, aber der Erholungsprozess ist immer noch im Gange. Eine weitere Hypothek für den privaten Konsum ist der Häusermarkt. Dieser war vor der großen Wirtschafts- und Finanzkrise ein recht ungesunder Motor für den Konsum, da er die private Verschuldung in die Höhe getrieben hatte. In unserer US-Prognose bleibt der private Verbrauch ein wichtiger Wachstumsträger, zu seiner früheren Stärke dürfte er jedoch nicht zurückfinden. ABER: Von den 2,2 Prozent Wirtschaftswachstum, mit denen wir für dieses Jahr rechnen, sollte der private Verbrauch allein 1,6-Prozentpunkte liefern. Ein weiterer wichtiger Baustein für die Robustheit der US-Konjunktur ist der Industriesektor, der vor allem durch das Schmiermittel „Fracking“ wieder erstarkt ist. Zahlreiche gewerbliche Branchen genießen die Vorzüge der im weltweiten Vergleich niedrigen Energiekosten, so dass sich die Industrieproduktion bereits das fünfte Jahr in Folge in einem stetigen Aufwärtstrend befindet. Holpriger verläuft seit Anfang 2013 die Erholung der Bauwirtschaft, auch hier ist bei der Einschätzung ein ähnliches Augenmaß gefragt wie beim privaten Konsum. Eine Rückkehr zu ungesunden Boomphasen erwarten wir nicht, bis Mitte 2015 sollten die Bauinvestitionen jedoch für sichtbare konjunkturelle Impulse sorgen.

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