EWU-Portfolioflussdaten: Dolchstoßlegende?

Dass sich die Stimmung gegenüber der Eurozone spürbar eingetrübt hat, lässt sich nicht leugnen. Ein weiteres Symptom hierfür sind die frisch veröffentlichten Portfolioflussdaten für die Eurozone im August. Mit einem Kapitalabzug von 27,8 Mrd. EUR wurde das beunruhigende Minus des Vormonats (12,4 Mrd. EUR) sogar noch übertroffen. Davon dass die grenzüberschreitenden Portfolioströme wesentlich zum Höhenflug des Euro-Kurses beitragen, kann inzwischen, anders als in der ersten Jahreshälfte, kaum noch die Rede sein. Zum Vergleich: von August 2013 bis März 2014 kam es zu einem Zufluss von durchschnittlich 20 Mrd. EUR pro Monat, mit einem Spitzenwert von 57 Mrd. Allerdings sind es nicht etwa die ausländischen Investoren, die ihrer Skepsis gegenüber der Eurozone mit einem Verkauf von Euro-Wertpapieren Ausdruck verleihen – vielmehr ist es der Kapitalabfluss von Anlegern aus der Eurozone selbst, der die Bilanz ins Minus rutschen lässt: im August waren es 36 Mrd. EUR, verteilt auf Aktien (7,4 Mrd. EUR), Anleihen (17,2 Mrd. EUR) und Geldmarktprodukte (11,5 Mrd. EUR). Die Wertpapierkäufe ausländischer Investoren sind zwar mit nur noch 8 Mrd. EUR weit vom Spitzenwert vom Mai bei knapp 96 Mrd. EUR entfernt; es kann aber trotz aller Turbulenzen nicht die Rede von einer breit angelegten Kapitalflucht durch Nicht-Euro-Investoren sein. Vielmehr sind es „wir Europäer“, die dem Euro-Wechselkurs schon seit etlichen Monaten den Dolch in Form von Portfolioumschichtungen in den Rücken stoßen.

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