Berichtssaison in Europa: Schwierige Fahrwasser trotz Euro-Schwäche und fallender Rohstoffpreise

Von der Berichtssaison zum dritten Quartal dürften insgesamt keine nachhaltigen Impulse ausgehen. In den USA ist diese zwar recht gut angelaufen, so lagen die bisher veröffentlichten Ergebnisse der S&P-Unternehmen kurz vor Ende der ersten Berichtshalbzeit immerhin 5% über denen des entsprechenden Vorquartals. Jedoch wurden im Vorfeld die Erwartungen auch markant gesenkt, u.a. wegen der verschlechterten Exportchancen in Folge der US-Dollar-Aufwertung und der fehlenden Fantasie für eine weitere Ausweitung der Gewinnmargen, die nahe ihrem Höchst notieren.

Die Erwartungen in Europa im Vorfeld der Drittquartalszahlen wurden nicht so stark wie in den USA zurückgefahren, was sicherlich zum großen Teil auf die starke Abwertung des Euro in den vergangenen Monaten zurückzuführen ist. Speziell die auf den Export fokussierten Unternehmen dürften dieser Tage vom schwachen Euro profitieren. Trotz des positiven Währungsimpulses bleiben die Gewinnperspektiven der europäischen Unternehmen gedämpft, zu stark haben sich diesseits des Atlantiks die Konjunkturperspektiven eingetrübt.

In Europa haben bis dato 120 Unternehmen des Stoxx 600 berichtet. Deren Ergebnisse lagen zwar im Durchschnitt ebenfalls 5% über denen des Vorjahresquartals, was aber selbst im Falle einer Fortsetzung dieses Trends durch die verbleibenden Unternehmen nicht ausreichen dürfte, um die erwarteten ambitionierten Gesamtjahreswachstumsraten zu erfüllen. Insofern besteht hier aus unserer Sicht weiterhin Revisionsbedarf. Auch die Frühindikatoren, wie z.B. der gestern veröffentlichte ifo-Geschäftsklimaindikator, deuten darauf hin, dass die Gewinnschätzungen die makroökonomische Realität derzeit nicht akkurat widerspiegeln.

Unter den europäischen Unternehmen dürften die deutschen (=DAX-) Gesellschaften wegen ihrer Exportstärke insgesamt überproportional unter dem sich verschlechternden Konjunkturumfeld leiden. Insbesondere die Erwartungen an die Unternehmensergebnisse für das Schlussquartal 2014 dürften angesichts der makroökonomischen Abschwächung dann nochmals gesenkt werden. Der schwache Euro auf der Absatzseite sowie fallende Rohstoffpreise auf der Einkaufsseite sind zwar positive Begleitumstände für die Geschäftsentwicklung der meisten Unternehmen, sie dürften ihre volle Kraft aber nicht mehr in den beiden verbleibenden Monaten des Jahres 2014 entfalten können. Dementsprechend dürfte speziell in den zyklischen Sektoren noch die ein oder andere unliebsame Überraschung anstehen. Dass es in Europa zum Ende der Divergenz der Entwicklung der Gewinnschätzungen für die kommenden 12 Monate (Deutschland kontinuierlich angehoben versus Stoxx 600 mit uneinheitlicher Tendenz) kommen wird, ist zunehmend wahrscheinlicher geworden.

 

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