Bank Lending Survey: Der Optimismus der Banken in Europa schwindet

Europas Banken sind im Hinblick auf die Kreditnachfrage der Unternehmen noch optimistisch. Wie aus dem aktuellen Bank Lending Survey der EZB hervorgeht, glaubt eine Mehrheit der befragten Institute, dass der Kreditbedarf der Firmenkunden in den nächsten drei Monaten zunehmen wird. Allerdings bröckelt die Mehrheit. Hatten die Optimisten im Juli noch einen Vorsprung von 25 Prozentpunkten, sank dieser bis zum Oktober auf 17 Prozentpunkte. Der abschmelzende Optimismus lässt sich in Italien und Spanien beobachten. In Deutschland geht inzwischen sogar eine leichte Mehrheit der Banken von einer sinkenden Unternehmenskreditnachfrage aus.

Dagegen ist die Entwicklung im Bereich der Wohnungsbaukredite privater Haushalte uneinheitlich. In der Summe geht eine leicht wachsende Mehrheit der europäischen Banken von einer steigenden Immobilienkreditnachfrage aus. Bei den Kreditrichtlinien sind für private Wohnungsbaukredite und für Firmenkundenkredite insgesamt kaum Änderungen geplant.

Bisher hatte der wieder schwindende Konjunkturoptimismus in Europa kaum negativen Einfluss auf die Kreditvergabepraxis der Banken. Es ist allerdings zu befürchten, dass sich das ändern könnte. Darauf deutet nicht nur der bröckelnde Optimismus bezüglich der Kreditnachfrage hin. So nahmen im Frühjahr die Banken die allgemeinen Konjunkturaussichten noch zum Anlass, ihre Kreditvergaberichtlinien tendenziell zu lockern. Im Sommer hat sich bereits eine marginale Mehrheit von Kreditinstituten gefunden, die aus konjunkturellen Gründen ihre Kreditvergabestandards verschärfen. Vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion über die sich eintrübenden Konjunkturperspektiven dürften im Herbst immer mehr Banken dazu übergehen, ihre Richtlinien zu verschärfen.

Während die Kreditversorgung in Deutschland gut funktioniert, zählen in südeuropäischen Ländern Kreditengpässe zu den Ursachen der konjunkturellen Probleme. Daran konnte bisher auch die Politik der EZB nichts ändern. Sollten die Banken in Südeuropa ihre Kreditvergabe tatsächlich weiter einschränken, dürfte das die konjunkturellen Probleme noch verstärken.

Die aktuelle Entwicklung zeigt einmal mehr, dass die Konsolidierung des Bankensektors in Südeuropa eine Grundvoraussetzung für eine nachhaltige Kreditversorgung der Wirtschaft ist. Dazu gehört eine Eigenkapitalausstattung, die Wachstum ermöglicht. Wie die Bankenprüfungen der EZB gezeigt haben, gibt es hier vor allem auch bei italienischen und griechischen Banken Nachholbedarf. Ein wichtiger Baustein der Konsolidierung ist außerdem der Abbau von Überkapazitäten – vor allem im Rahmen von Fusionen. Ein gesunder Bankensektor mit einer angemessenen Rentabilität ist die Voraussetzung dafür, dass Banken Rücklagen bilden können und für Eigenkapitalgeber attraktiv sind. Nur so sind Banken in der Lage zu wachsen und eine nachhaltige Kreditversorgung der Wirtschaft sicherzustellen. Was für die Realwirtschaft gilt, nämlich dass eine lockere Geldpolitik Reformen nicht ersetzen kann, gilt auch für den Bankensektor.

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