Belgien eröffnet Q3-BIP Berichtssaison für den Euro-Raum

Belgien eröffnet gemeinsam mit Spanien und Österreich – die morgen an der Reihe sind – offiziell die Q3-Berichtssaison beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) für den Euro-Raum. Mit +0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal liegt das Ergebnis im Rahmen der Erwartungen und stützt zugleich unsere Einschätzung, dass der Wachstumspfad für die belgische Volkswirtschaft weiterhin gedämpft ist und sich künftig auch nur ganz allmählich Dynamik entwickeln wird. Details zu den Komponenten wurden wie üblich nicht veröffentlicht. Es lassen sich jedoch einige Rückschlüsse aus bereits veröffentlichten harten Daten und Frühindikatoren ziehen.

So gehen wir davon aus, dass der private Konsum im dritten Quartal etwas weniger zum positiven Ergebnis beigetragen hat als noch im Vorquartal. Gestützt wird diese Vermutung von dem spürbar eingetrübten Verbraucherklima der letzten Monate, wobei besonders die Einschätzung der ökonomischen Lage für die kommenden zwölf Monate kräftig abgesackt ist. Für eine Überraschung sorgen könnte ein ausgesprochen positiver Beitrag des Staatsverbrauchs: Nachdem im Juli 2014 eine umfangreiche Staatsreform die Zuständigkeiten in Belgien zwischen Bund, Regionen und Sprachgemeinschaften neu geregelt hat, könnten die Ausgaben temporär deutlich höher liegen als sonst üblich. Deutlich könnte der Rückgang bei den Bruttoinvestitionen ausfallen: Noch in den ersten beiden Quartalen zogen die Investitionen kräftig an. Unter Berücksichtigung der gestiegenen Unsicherheit über die ökonomische Entwicklung der kommenden zwölf Monate – insbesondere getrieben durch zunehmende Stimmungseinbußen aufgrund diverser geopolitischen Krisen – und der Unterauslastung der Kapazitäten spricht momentan einiges dafür, dass die Unternehmen bei Investitionen in Q3 zurückhaltend agierten. Beim Außenhandel sollte sich nach dem kontraktiven zweiten Quartal wieder ein ruhigeres Fahrwasser einstellen. Dabei dürfte der saisonbedingte kräftigere Rückgang bei den Exporten im August wohl kaum mehr aufzuholen sein. Da die Importe allerdings in ähnlich starkem Umfang rückläufig waren, sieht es im dritten Quartal eher nach einem schwach positiven Wachstumsbeitrag aus den Nettoexporten aus.

Zum Jahresende könnte sich das Wachstum nochmals beschleunigen, was aber eher temporären Effekten beim Staatsverbrauch und den Investitionen geschuldet sein dürfte. Für das Gesamtjahr 2014 sehen wir ein Wachstum von 1,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit dürfte Belgien den Euro-Raum-Durchschnitt (2014: +0,6 Prozent) in diesem Jahr ein gutes Stück abgehängt haben. Ähnlich das Bild im kommenden Jahr: Für Belgien sehen wir eine graduelle aber langsame Verbesserung beim Wachstumspfad und 1,5 Prozent gegenüber 2014, der Euro-Raum dürfte mit +0,8 Prozent kaum aufschließen können. Dabei überwiegen beim konjunkturellen Ausblick angesichts der geopolitischen Krisen und der anhaltend restriktiven Kreditvergabe im Euro-Raum derzeit eindeutig die Abwärtsrisiken.

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