Japanische Zentralbank dreht Geldhahn weiter auf

Die japanische Zentralbank hat heute Morgen angekündigt, ihr Wertpapierankaufprogramm auszuweiten. So soll die monetäre Basis neuerdings um 80 Billionen JPY pro Jahr ausgeweitet werden – bis zu 20 Billionen JPY mehr als bislang geplant. Die zusätzliche Expansion geht dabei vorrangig zugunsten des Ankaufs japanischer Staatsanleihen. Von Seiten der Marktteilnehmer war ein entsprechender Schritt erst für Anfang des kommenden Jahres erwartet worden.

Hauptmotiv für die expansivere Ausrichtung dürfte die weiterhin schleppende Inflations- und Konjunkturentwicklung sein. So ist ein großer Teil des aktuellen Preisdrucks auf die Mehrwertsteuererhöhung vom April zurückzuführen. Mit Auslaufen dieses Effekts dürfte die Inflationsrate wieder deutlich unter den Zielwert der Bank of Japan von 2% (J/J) zurückfallen. Zudem belastet die Steuererhöhung den inländischen Konsum stärker als ursprünglich angenommen. Möglicherweise spielte auch die Umstrukturierung des staatlichen Pensionsfonds (GPIF) eine Rolle bei der Entscheidung der Währungshüter. Erwartungsgemäß hat dieser heute Morgen angekündigt, sein Engagement in heimischen Staatsanleihen deutlich zu reduzieren. Durch ihre jüngste Entscheidung wirken die Notenbanker einem unerwünschten Anstieg des Zinsniveaus an den japanischen Rentenmärkten tendenziell entgegen.

Die Entscheidung der Bank of Japan setzte den Yen an den Devisenmärkten unter spürbaren Abgabedruck. Gegenüber dem US-Dollar fiel die japanische Landeswährung auf den tiefsten Stand seit Anfang 2008. Euro-Yen verzeichnete einen Kurssprung und pendelt derzeit um die Marke von 140,00 JPY. Insbesondere gegenüber dem US-Dollar sollte der Yen auf absehbare Zeit unter Druck bleiben.

Am japanischen Aktienmarkt sorgte die Aussicht auf zusätzliche Liquidität für positive Stimmung. Im Freitagshandel stiegen die Leitindizes um bis zu fünf Prozent an. Gegenüber Jahresbeginn notiert der Aktienmarkt damit erstmalig wieder im positiven Bereich. Für die kommenden Wochen erwarten wir eine Fortsetzung der Kurserholung, zumal auch die Halbjahresergebnisse der japanischen Unternehmen dem Aktienmarkt Anreiz geben. Sie sind bisher überwiegend besser als erwartet ausgefallen, nicht zuletzt auch wegen des schwächeren Yen. Bis zur Jahresmitte 2015 erwarten wir einen weiteren Anstieg des Topix bis auf 1.450 Punkte, dies entspricht einem weiteren Kurspotenzial von gut zehn Prozent.

Die angekündigten Maßnahmen der BoJ beflügelten auch die internationalen Aktienmärkte. Die Kursgewinne sind willkommen, dürften jedoch – zumindest an den Märkten außerhalb Japans – nur wenig nachhaltig sein. Die Maßnahmen wirken zwar positiv auf das globale Aktienmarktsentiment, dürften aber mittelfristig keine nennenswerten Auswirkungen auf die Geschäftsentwicklung der Unternehmen in Europa zur Folge haben.

Eine Blaupause für die Europäische Zentralbank dürfte das frühzeitige Handeln der japanischen Kollegen indes nicht sein. So sollte eine Ausweitung der expansiven geldpolitischen Maßnahmen im Euroraum noch bis in die ersten Monate des kommenden Jahres auf sich warten lassen. Erst dann dürfte die EZB ihre Wertpapierankäufe auf Staatsanleihen ausweiten.

 

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