Umfragen zum Schweizer Gold-Referendum lassen den Goldmarkt kalt

Am 30. November 2014 wird es in der Schweiz ein Referendum über die Initiative „Rettung des Schweizer Goldes“ geben. Die Initiative beruht auf drei Eckpfeilern: 1. Der Goldanteil an der Bilanzsumme der Schweizer Nationalbank (SNB) soll bis 2019 von aktuell 7,5% auf 20% gesteigert werden. 2. Die SNB darf kein Gold mehr verkaufen. 3. In zwei Jahren soll das SNB-Gold ausschließlich in der Schweiz lagern („Heimholung“).

Bisher ist der Kapitalmarkt fest davon ausgegangen, dass die Eidgenossen gegen die Initiative stimmen werden. Nun hat aber eine Umfrage des Forschungsinstituts GfS in Bern ergeben, dass 44% der Befragten „bestimmt“ oder „eher“ für die Initiative sind und nur 39% dagegen. Das kommt einer handfesten Überraschung gleich, zumal die ökonomische Sinnhaftigkeit einer Umsetzung arg limitiert wäre. Die verfolgten Ziele, insbesondere Preisniveaustabilität sowie eine krisensichere Währung, sind in der Schweiz bereits weitgehend gegeben.

Sollten die Ja-Stimmen Ende November überwiegen, müsste die SNB entweder ihre Goldbestände deutlich erhöhen oder die Devisenreserven signifikant reduzieren. Auf Basis unsere durchschnittlichen Goldpreisprognose für 2015 von 1.113 USD pro Unze müssten die Währungshüter ihre Goldreserven bei einer konstant bleibenden Bilanzsumme von aktuell 1.040 auf 3.100 Tonnen steigern, was, erstreckt über die nächsten fünf Jahre, einen jährlichen Goldankauf der SNB von 412 Tonnen implizierte. Allerdings würde der Goldpreis bei einem Ja-Votum positiv reagieren, sodass sich die zu kaufende Goldmenge dadurch reduziert. Eine Reduktion der Devisenreserven ist praktisch nicht darstellbar, da dies den Schweizer Franken unter erheblichen Aufwertungsdruck bringen würde und somit die Euro-Franken-Untergrenze von 1,20 CHF ins Wanken brächte.

Eine Umsetzung der Initiative werten wir als Randrisiko. Sollte es dennoch dazu kommen, würde die weltweite jährliche Goldnachfrage zwischen 8% und 10% steigen und der Goldpreis um etwa 15% anziehen. Unsere durchschnittliche Goldpreisprognose für 2015 würde also entsprechend von 1.113 USD auf 1.280 USD steigen. Eine Preisexplosion bliebe unseres Erachtens aber aus, da erstens die Goldkäufe der anderen Zentralbanken zurückgehen, zweitens die Minenproduktion solide Wachstumsraten zeigt, drittens der Goldmarkt einen Überschuss aufweist und viertens die Investoren weiterhin als Verkäufer agieren. Auf Wasserstandsmeldungen in Form von weiteren Umfragen wird der Goldpreis kaum reagieren.

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