Hohe Bewertung des US-Aktienmarktes – Ein Damoklesschwert für europäische Aktien

Kurz nachdem die amerikanische Notenbank ihr Anleihenkaufprogramm beendet hatte, lockerte die japanische Zentralbank (BoJ) überraschend die Geldpolitik weiter. Von Seiten der Marktteilnehmer war ein entsprechender Schritt erst für Anfang des kommenden Jahres erwartet worden. Das Ende der geldpolitischen Geschlossenheit der großen Notenbanken (Fed fährt geldpolitische Impulse zurück, EZB und BoJ erhöhen sie) ist somit Realität geworden.

Aktieninvestoren sollten die Entwicklung der Geldpolitik bei ihren Anlageentscheidungen zwar berücksichtigen. Langfristig sind die Entscheidungen der Währungshüter für den Anlageerfolg in Aktien jedoch von untergeordneter Bedeutung. Der Erfolg oder Misserfolg eines erfolgreichen Investments steht und fällt mit der Höhe des Einkaufspreises. Ist dieser – nach Abzug einer Sicherheitsmarge für eventuelle Fehleinschätzungen – niedrig genug, ist der Spielraum für mögliche Enttäuschungen relativ gering.

Nach fünf Jahren Kursaufschwung ist es derzeit kaum noch möglich, lukrative Investments auf der Aktienseite zu finden. Jahrelang haben sich die Kurse dynamischer nach oben bewegt, als es die Unternehmen auf der Ergebnisseite abbilden konnten. Die Bewertung der Aktienmärkte ist dadurch signifikant angestiegen. In Europa ist das auseinanderdriften zwischen Kursen und Gewinnen im aktuellen Zyklus schwächer ausgefallen als in den USA. Zu stark drückten die schwache Konjunktur und die Sorgen um die Zukunft der Gemeinschaftswährung auf Unternehmensgewinne und Marktstimmung.

In den Vereinigten Staaten hingegen sind die Aktienkurse, gemessen von der Ausgangsbasis im März 2009, stärker als in früheren Aufschwüngen gestiegen. Wir haben in den vergangenen Monaten unablässig darauf hingewiesen, dass die Bewertung des US-Marktes beim aktuellen S&P 500-Stand inzwischen auf einem Niveau angekommen ist, das in der Kapitalmarktgeschichte des Landes nur selten für lange Zeit gehalten werden konnte. Nur während der extremen Bullenmärkte des letzten Jahrhunderts, die in den Crashs 1929 und 2000 mündeten, sowie im Sommer 2007 war der S&P 500, gemessen an der Höhe des Shiller-PEs, noch klarer überbewertet als heute.

Trotz der Überbewertung werden US-Aktien nach wie vor gekauft, eine Entwicklung, die stark an die Manie der Jahre 1998 bis 2000 erinnert. Heute ist jedoch nicht mehr die Erfindung des Internets das neue Paradigma, sondern es sind die niedrigen Zinsen an den Kapitalmärkten, die auf lange Zeit festgeschrieben scheinen.

Ein konkreter Auslöser für einen Korrektur des US-Aktienmarktes in naher Zukunft ist derzeit jedoch noch nicht auszumachen. Solange sich keine eindeutigen Signale für einen Wirtschaftsabschwung abzeichnen, dürfte es schwer fallen, die Aktienkurse nach oben zu „deckeln“. Insbesondere auch, weil sich infolge des Niedrigzinsumfelds kaum Alternativen bieten. Wir empfehlen jedoch weiterhin, die Entwicklung in den USA genauestens im Auge zu halten. Sollte jenseits des Atlantiks der Markt korrigieren, würde auch den europäischen Märkten eine saftige Korrektur drohen.

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