EZB-Obere demonstrieren Einigkeit

Erwartungsgemäß haben die europäischen Währungshüter bei ihrem heutigen Zusammentreffen ihr Leitzinstableau unverändert gelassen. Darüber hinaus wurden auch keine neuen unkonventionellen Maßnahmen auf den Weg gebracht. Notenbankchef Draghi hat allerdings im Rahmen der Pressekonferenz die grundsätzliche Erwartung des EZB-Rats hervorgehoben, dass mit den jüngst ergriffenen Maßnahmen die EZB-Bilanz auf das Niveau von Anfang 2012 ausgeweitet werde. Im Vorfeld der Zinssitzung hatte es Medienberichte gegeben, wonach es im Hinblick auf ein solches Ziel zu Verstimmungen innerhalb des EZB-Rates gekommen sei. Während im Rahmen des neuen Covered-Bond-Ankaufprogramms (CBPP3) bereits erste Käufe durchgeführt worden sind, wird das ABS-Ankaufprogramm Draghi zufolge bald beginnen. Die beschlossenen unkonventionellen Maßnahmen sollen unter anderem dazu beitragen, die längerfristigen Inflationserwartungen wieder fest zu verankern. In den zurückliegenden Monaten haben diese längerfristigen Inflationserwartungen (5J*5J) deutliche Abwärtsdynamik entwickelt. Sollte es aufgrund einer sich weiter abschwächenden realwirtschaftlichen Entwicklung oder eines anhaltenden disinflationären Trends notwendig werden, sind die Währungshüter grundsätzlich bereit, weitere unkonventionelle Maßnahmen zu ergreifen. Mit diesem Hinweis hat der Notenbankchef die Tür in Richtung eines weiteren „Quantitative Easings“ offen gehalten. Welche Assets die EZB hierbei genau im Fokus hat, ist heute nicht näher spezifiziert worden. Zuletzt war marktseitig darüber spekuliert worden, dass die EZB, bevor sie Staatsanleihen ins Visier nimmt, Unternehmensanleihen erwerben könnte. In Bezug auf die konjunkturellen Aussichten für die Eurozone hat Draghi hervorgehoben, dass beträchtliche Abwärtsrisiken bestehen. Im Hinblick auf die im kommenden Monat turnusgemäß zur Veröffentlichung anstehenden EZB-Projektionen muss daher mit einer Abwärtsrevision gerechnet werden. Bislang rechnen die EZB-Stabsmitarbeiter für das laufende Jahr mit einem BIP-Plus von 0,9% und für das kommende Jahr mit einem Zuwachs von 1,6%. Aufs große Ganze sehen wir aktuell keine Veranlassung, an unserer EZB-Prognose etwas zu ändern: Die Leitzinsen bleiben bis auf Weiteres auf ihren gegenwärtigen niedrigen Niveaus, und Staatsanleihekäufe in großem Stil werden mit einer hohen Wahrscheinlichkeit im kommenden Jahr starten.

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