Chinas Wirtschaft startet verhalten ins Schlussquartal

Die chinesische Wirtschaft hat im Oktober abermals leicht an Schwung verloren – dies legen die Konjunkturdaten vom vergangenen Monat nahe, die heute und in den vorangegangenen Tagen veröffentlicht wurden. Vor allem die Entwicklung in der Industrie bleibt verhalten. Das jährliche Wachstum fiel mit 7,7 Prozent zum zweiten Mal in diesem Jahr unter die 8-Prozent-Marke – ein Niveau, das in den vergangenen Jahren nur während der Wirtschaftskrise unterschritten wurde. Auch im Monatsvergleich verlor die Industrieproduktion deutlich an Tempo. Vom Außenhandel konnte die chinesische Wirtschaft zuletzt zwar positive Wachstumsimpulse erhalten: Der Handelsüberschuss weitete sich zum Vormonat kräftig aus, und für das Gesamtjahr ist mit einem neuen Rekordplus in der Handelsbilanz zu rechnen. Dazu hat die schleppende Importnachfrage aber mindestens ebenso stark beigetragen wie der jüngste Anstieg der Exporte. Darüber hinaus wirft die divergente Entwicklung der starken Exportkonjunktur auf der einen und der schwachen Industrieproduktion auf der anderen Seite erneut Fragen auf, ob die Exportdaten nicht zum wiederholten Male durch fingierte Transaktionen aufgebläht wurden. Darauf wurde gerade von offizieller Seite hingewiesen und verschärfte Kontrollen angekündigt. Es ist also möglich, dass auch der Wachstumsbeitrag der Ausfuhren derzeit geringer ist, als es auf den ersten Blick scheint.

Belastet wird die chinesische Wirtschaft seit Monaten von der Schwäche der Bautätigkeit. Das Wachstum der Bauinvestitionen ist so niedrig wie seit 2009 nicht mehr, wodurch auch der Anstieg der gesamten Investitionen auf ein Allzeittief gefallen ist. Ursächlich hierfür ist die deutliche Korrektur am Immobilienmarkt, wo die Nachfrage nach Eigentumswohnungen weiter sinkt und auf die Preise drückt. Während der Wirtschaftskrise hatte Peking den Einbruch im Bausektor durch ein gigantisches Investitionspaket mehr als ausgeglichen. Solche Eingriffe kann und will die chinesische Führung aber nicht mehr vornehmen – schon allein wegen der hohen Verschuldung der lokalen Gebietskörperschaften nicht, die das Gros der Finanzierung der Investitionsprojekte getragen haben. Peking lässt eine weitere Abschwächung des Wachstums, sogar eine Unterschreitung des offiziellen Wachstumsziels zu. Das ist das „new normal“ in China, wie Staatspräsident Xi erst zum Auftakt des APEC-Gipfels in der vergangenen Woche bekräftigt hat.

Die nun gemeldeten Daten legen nahe, dass sich das BIP-Wachstum auch im laufenden Schlussquartal nicht wieder beschleunigen wird. Im Sommer war es mit einer Vorjahresrate von 7,3 Prozent auf ein Fünf-Jahres-Tief gefallen. Damit dürfte auch der Wert für das Gesamtjahr 2014 das Wachstumsziel von 7,5 Prozent nicht erreichen. Wir rechnen hier ebenfalls mit 7,3 Prozent – das schwächste Wachstum seit 1990. Auch im kommenden Jahr dürfte sich der moderate Abwärtstrend fortsetzten. Dies wird Peking mit Blick auf die Umsetzbarkeit notwendiger Reformen wohl zulassen. Gleichwohl ist die chinesische Führung nach wie vor an einem stabilen Wachstumspfad interessiert und wird ein stärkeres Abgleiten der Konjunktur – genauso wie in diesem und im vergangenen Jahr – notfalls mit kleineren Fiskalmaßnahmen auffangen. Bereits jetzt versucht Peking den Immobilienmarkt durch gezielte Lockerungen bei der Hypothekenfinanzierung zu stabilisieren. Wohl mit ersten Erfolgen, denn die Talfahrt bei den Wohnungspreisen hat sich zuletzt nicht weiter beschleunigt und die Baubeginne – ein Frühindikator für die Bauinvestitionen – haben sich im Oktober erholt. Zumindest eine Bodenbildung ist am Häusermarkt also absehbar.

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