Japan: Zurück in der Rezession

Japans Wirtschaft ist im dritten Quartal entgegen aller Erwartungen deutlich geschrumpft, und zwar um 0,4 % gegenüber dem Vorquartal. Der Konsens war von einem Anstieg von mindestens 0,5 % ausgegangen. Da dies nach dem starken Einbruch vom Frühjahrsquartal nun also bereits der zweite Rückgang in Folge ist, muss für das Sommerhalbjahr 2014 nun eine „technische Rezession“ in Japan konstatiert werden. Die Anhebung der Konsumsteuer am 1. April von 5 % auf 8 % hat nicht nur die privaten Verbraucher stark verunsichert und zu deutlich verminderter Kauflust geführt. Auch die Unternehmen haben seit dem Frühsommer auf die schleppende Konsumnachfrage mit einer Verringerung ihrer Produktions- und Investitionstätigkeit reagiert.

Was im Spätsommer aber zum zweiten Negativquartal in Folge geführt hat, war der Einbruch der Bautätigkeit. Die privaten Wohnungsbauinvestitionen etwa sind um fast 7 % zum Vorquartal gesunken, was einem Minus von 24 % gegenüber dem Vorjahresquartal entspricht. Die Bruttoanlageinvestitionen der Wirtschaft insgesamt gingen dagegen „nur“ um 0,5 % (Q/Q) zurück.

Der private Konsum scheint sich dagegen nach seinem starken Einbruch im Frühjahr nun etwas gefangen zu haben, er verzeichnete zuletzt ein leichtes Plus von 0,4 % (Q/Q). Der negative Steuereffekt konzentriert sich nun vor allem auf die so genannten „big-ticket-items“, also den besonders teuren Gebrauchsgütern und vor allem auf den privaten Wohnungsbau. Die Anschaffungsneigung war im September wieder etwas rückläufig. Die Verbraucher sind also offensichtlich noch immer nicht wieder bereit, etwa für Autos und ein neues Heim und auch Wohnungseinrichtungen besonders viel „Geld in die Hand zu nehmen“. Die private Ausgabenneigung wird vor allem dadurch weiter gedämpft, dass die Nominallohnzuwächse derzeit nicht ausreichen, um die durch hohe Energiekosten und wechselkursbedingte Importpreissteigerungen angeheizte Inflation auszugleichen. Hier ist jedoch zuletzt ein leichter Trend nach unten zu beobachten.

Die jüngsten Wachstumszahlen haben es unwahrscheinlich werden lassen, dass Premierminister Abe am ursprünglichen Fahrplan für die zweite Stufe der Konsumsteueranhebung (von 8 % auf 10 % ab Oktober 2015) festhalten wird. Wir erwarten nun, dass er in Kürze deren Verschiebung auf das Jahr 2017 ankündigen wird, wenn er sie nicht gar völlig aussetzt. Für die Sanierung der Staatsfinanzen ist dies keine gute Nachricht. Andererseits steigen dadurch die Chancen, dass sich das Wachstum der Wirtschaft kurzfristig schneller wird erholen können. Auch vorgezogene Neuwahlen sind nun in den Bereich des Wahrscheinlichen gerückt. Das Kalkül Abes dürfte hierbei sein, sich erneut ein Plazet von den Wählern zu holen, demnächst auch „unbequemere“ Reformschritte anzugehen, etwa im Bereich der Arbeitsmarktregulierung, der Wettbewerbspolitik und beim Zollabbau. Diese Schritte (Abe hat sie den notwendigen „dritten Pfeil“ seiner Reformpolitik genannt) können mittel- und längerfristig neue Wachstumskräfte anstoßen, die nötig wären, um dann auch die zweite Stufe der Konsumsteueranhebung zu wagen. Für das gesamtwirtschaftliche Wachstum in diesem Jahr erwarten wir aber jetzt nur noch eine Zahl von deutlich unter 1 %.

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