Yin und Yang – Yen und Yuan

Die geldpolitisch induzierte Yen-Schwäche zum US-Dollar und Euro ist in aller Munde. Dabei reichen die Ansteckungseffekte des kollabierenden Yen deutlich weiter als nur bis zu den Haupthandelswährungen. Für die Wettbewerbsfähigkeit Chinas ist der Kursverfall um mehr als 15% zu Japan, also „vor der eigenen Haustür“, ein bedeutender, wenn auch bis dato verkannter, Einflussfaktor. Darauf, dass der Yuan seit Juli als einzige Währung (abgesehen von Exoten wie dem Somalia-Schilling) dem global aufwertenden Dollar Paroli bieten kann, hatten wir bereits an anderer Stelle hingewiesen; dass Chinas Offizielle eine Aufwertung ihrer Währung im zweistelligen Bereich gegenüber Japan tatenlos akzeptieren, grenzt an ein Wunder. Unilaterale Interventionen Chinas gegen den Yen-Verfall sind praktisch ausgeschlossen (und wären wohl auch ineffektiv, da die geldpolitische Entschlossenheit in Japan zu stark ist). Nicht auszuschließen sind aber eine erhöhte verbale Gegenwehr und der demonstrative Vorwurf einer kompetitiven Abwertung. Wir gehen ohnehin mittelfristig von einer Stabilisierung des Yen knapp unter 120 JPY in USD-JPY aus, so dass sich das Problem von alleine legen könnte. Sollte es wider Erwarten zu einer anhaltenden Yen-Schwäche im derzeitigen Tempo kommen, gäbe es für China aber wohl nur eine Antwort: ein Aussetzen der stetigen Aufwertung zum Dollar und möglicherweise sogar eine Wiederaufnahme der Yuan-Schwäche vom Frühjahr. Chinas Leitzinssenkung vom Freitag erscheint in diesem Kontext plötzlich in einem anderen Licht, auch wenn die Reagibilität des Yuan auf solche geldpolitischen Signale deutlich geringer als in anderen Währungsräumen ist.

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