Rohöl: Die Stimmung ist schlechter als die Lage und Saudi-Arabien führt keinen Preiskrieg!

OPEC wird die Produktion reduzieren … und den Rohölpreis vitalisieren

Die Rohölpreise sind seit Mitte Juni um 30% gefallen. Gründe für diesen Absturz waren das (temporäre) Produktions-Comeback in Libyen, „enttäuschte“ Förderausfallerwartungen im Irak und Russland, die ausgeprägte USD-Rallye, die Schwächephase der Weltkonjunktur und ein Rückzug der Spekulation. Darüber hinaus erwiesen sich zuletzt Marktspekulationen über einen vermeintlich von Saudi- Arabien initiierten Preiskrieg als massiver Klotz am „Rohöl-Bein“.

Nach unserer Lesart ist die Stimmung bezüglich der Weltkonjunktur und damit auch für die eng damit verflochtene Rohölnachfrage derzeit derart (übertrieben) negativ, dass der Markt sämtliche Preiseinflussfaktoren (ergo: Angebot, Nachfrage, Risikoprämien & „Angebotspuffer“) zu pessimistisch einpreist.

So erscheint die fast vollständige Auspreisung einer geopolitischen Risikoprämie angesichts der innenpolitischen Gemengelagen im Irak und in Libyen, der erneut (zwangsweise) verlängerten P5+1+1-Gespräche sowie der ebenfalls nicht friktionsfreien Situationen in Venezuela und Nigeria äußerst kurzsichtig. Auch überschätzt der Markt die Größe der als Puffer gegen Angebotsausfälle dienenden globalen Lagerbestände bzw. der (effektiven) OPEC-Reservekapazität. Zudem verwundert es, dass der von einigen Marktteilnehmern auf mehrere Hundert Milliarden US-Dollar geschätzte „Öl-Stimulus-Effekt“ keinen Marktwiderhall findet.

Nach unserer Überzeugung führt Saudi-Arabien auch keinen Preiskrieg, der eine um 180 Grad veränderte Förderphilosophie nach sich ziehen würde. Wir gehen davon aus, dass das Königreich – unter Aufbietung und Inszenierung seiner (fiskalischen) Aktiva – eine (notfalls) mehrdimensionale Poker-Strategie vollzieht, die letztlich die Stabilisierung bzw. Erhöhung des Call-on-OPEC und solchermaßen die Absenkung des Spannungspotenzials innerhalb der OPEC zum Ziel hat.

Für das morgige OPEC-Treffen erwarten wir, dass die OPEC ihre Förderquote um 0,5-1,0 mbd auf 29,0-29,5 mbd reduzieren und eine disziplinierte Einhaltung dieser Obergrenze ankündigen wird. An der Kürzungsrunde werden sich mit Ausnahme des Iraks, des Irans und Libyens, die aus verschiedenen Gründen bereits zum jetzigen Zeitpunkt deutlich unter ihren Förderpotenzialen bleiben, alle übrigen OPEC-Mitglieder (teilweise nur in symbolischer Größenordnung) beteiligen.

Infolge der von uns erwarteten Signalsetzung des Förderkartells sollte der übertrieben „bearishe“ Trend bei Rohöl durchbrochen werden, was den Marktteilnehmern in der Folge auch genügend Raum geben dürfte, die bis dato weitgehend ignorierten positiven Preistreiber (u.a. unterschätzte geopolitische Risiken, „Öl-Stimulus-Effekt“) wieder verstärkt in den Fokus zu nehmen. Auch die seit vielen Wochen an der Seitenlinie des Rohölmarktes abwartenden Spekulanten sollten infolge dieser Entwicklung wieder verstärkt den Weg zurück auf das „fossile Spielfeld“ finden und somit zur Preisunterstützung beitragen.

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