Bunds: QE-Spekulationen treiben Renditen vor sich her

Die niedrigen Inflationszahlen der Eurozone im November mit 0,3% gegenüber dem Vorjahr sowie die Entscheidung der OPEC, am Ölpreis beziehungsweise an der Ölproduktion nicht zu drehen, haben die Spekulationen auf eine Ausweitung der derzeitigen Anleihekäufe der EZB auch auf Staatsanleihen beflügelt. Die Folge: zehnjährige Bundrenditen werden unterhalb von 0,70% gehandelt und der Bund-Future hat ein neues Allzeithoch bei 153 Punkten markiert. Die zehnjährigen US-Treasuries haben um über 5 Basispunkte nachgegeben und handeln jetzt wieder bei 2,20%

In den vergangenen Monaten sind die Stimmen aus der EZB immer lauter geworden, das laufende Ankaufprogramm auch auf Staatsanleihen auszudehnen. Medienberichten zufolge ist der EZB-Stab sogar beauftragt worden eine konkrete Umsetzung eines solchen Programms zu prüfen beziehungsweise zu erarbeiten. In Bezug auf Aussagen aus EZB-Kreisen sind Staatsanleihekäufe entsprechend dem Schlüssel am Eigenkapital der EZB am wahrscheinlichsten. Deutschland hat derzeit einen Anteil an der EZB von rund 25% (nur Euro-Mitgliedsstaaten). Dem zufolge ist bei einer möglichen Entscheidung der EZB im Frühjahr, auch Staatsanleihen zu kaufen, eine verstärkte Nachfrage nach Bundestiteln zu erwarten. Diese zusätzliche Nachfrage der EZB trifft, anders als bei den Ankaufprogrammen in den Vereinigten Staaten, Großbritannien oder Japan, auf ein gleichbleibendes Angebot an deutschen Staatsanleihen. So will die Bundesregierung trotz momentaner Konjunkturrisiken an ihrer schwarzen Null im Bundeshaushalt festhalten. Aus diesem Grund könnte ein mögliches Ankaufprogramm einen viel stärkeren Effekt auf die Bundrenditen haben, als dies im Vergleich zu den Renditen in den USA, Großbritannien oder Japan der Fall gewesen ist.

Die endgültige Entscheidung, Staatsanleihen zu kaufen, hängt aber vor allem vom Inflations- und Wachstumsausblick der EZB-Oberen ab. Die jüngsten Konjunkturindikatoren deuten daraufhin, dass die europäische Wirtschaft eher nicht mit Volldampf ins Jahr 2015 starten wird. Die Verbraucherpreise könnten aufgrund der zuletzt schwächeren wirtschaftlichen Entwicklung nochmal nachgeben. Zusätzlich sind in den vergangen Wochen die Energiekosten geradezu eingebrochen. In Euro gerechnet ist der Rohölpreis der Sorte Brent auf Jahressicht um fast  30% gefallen. Auf Basis unseres Regressionsmodells könnte ein solcher Rohölpreisrückgang „ceteris paribus“ die Teuerung in der Eurozone für die Verbraucher um 0,6 Prozentpunkte drücken. Sollte der Rohölpreis also auf seinem momentan erreichten Niveau verharren und der europäische Arbeitsmarkt nicht spürbar in Schwung kommen und damit einen entsprechenden Lohndruck erzeugen, besteht die Gefahr, dass die Inflationsrate in den kommenden Monaten erstmals seit 2009 wieder die Null-Prozent-Marke erreicht oder sogar unterschreitet. Die Entscheidung der OPEC, die Ölproduktion nicht zu drosseln und damit den Rohölpreis nicht zu stabilisieren, deutet daraufhin, dass mit einem Anstieg der Energiepreise vorerst nicht zu rechnen ist.

Dies bedeutet für uns, dass die Entscheidung der EZB über Staatsanleihekäufe nur noch eine Frage des „Wann“ und nicht mehr eine Frage des „Ob“ ist. Wir gehen im  momentan davon aus, dass die zehnjährigen Bundrenditen bei 0,50% ihren Tiefpunkt finden werden.  Ein Blick auf die derzeitigen japanischen Renditen von knapp 0,40% auf zehnjährige Titel zeigt jedoch, dass ein „Halt“ auch bei einem solch niedrigen Niveau nicht zwingend der Fall sein muss. Gerade wenn ein Nachfrager am Markt aktiv wird, dem es nicht um eine Rendite als solches geht, sondern nur um Volumen, ist dem Renditeniveau keine Grenze nach unten gesetzt. In einem Umfeld sehr niedriger Zinsen, zusätzlicher Staatsanleihekäufe, einbrechender Inflationserwartungen, globaler Wachstumsrisiken sowie möglicher direkter oder indirekter Devisenmarktinterventionen durch andere Zentralbanken sollte als Nebenszenario nicht ausgeschlossen werden, dass die Bundrenditen für zehnjährige Staatsanleihen auch ein Niveau von 0,50% unterschreiten können.

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