Was bringt das günstige Öl der deutschen Konjunktur?

Der Ölpreis ist seit dem Sommer um rund 30% gesunken, und es sieht derzeit nicht danach aus, als sollte er sich bald wieder erholen. Das ist zunächst einmal eine gute Nachricht für alle Ölverbraucher in den Industrieländern. Das Öl und alles, was daraus produziert wird, wird günstiger, das bedeutet weniger Energiekosten für Unternehmen und Haushalte.

Deutschland gab im vergangenen Jahr rund 57 Mrd. Euro für importiertes Rohöl aus, in diesem Jahr dürften die Kosten bei rund 48 Mrd. Euro liegen. Dazu kommen noch die Ausgaben für den Kauf von Fertigprodukten wie Benzin, Diesel oder Heizöl aus dem Ausland. Wenn der Ölpreis auf seinem heutigen Niveau bleibt, dann dürfte die Rechnung für das Rohöl und die Fertigprodukte im Jahr 2015 um etwa 10 Mrd. Euro niedriger ausfallen als dieses Jahr. Das sind 10 Mrd. Euro, die nicht an ausländische Lieferanten gezahlt werden müssen und den heimischen Unternehmen und Haushalten zusätzlich zur Verfügung stehen.

In diesem Sinne kann im Zusammenhang mit dem billigen Öl durchaus von einem „Konjunkturprogramm“ gesprochen werden, allerdings von einem relativ kleinen. Bundesbankpräsident Weidmann hat den Begriff „Mini-Stimulus“ gebraucht, und das trifft es sehr gut. Denn die 10 Mrd. Euro sind zwar eine nennenswerte Summe, doch machen sie – bezogen etwa auf die gesamten Konsumausgaben der privaten Haushalte in Deutschland – lediglich 0,6% aus.

Der Rückgang des Ölpreises dürfte im kommenden Jahr also einen positiven Effekt für das Wirtschaftswachstum in Deutschland haben, doch sollte man den Einfluss des Ölpreises auch nicht überschätzen. Der Effekt wird allein nicht ausreichen, um die deutsche Wirtschaft auf einen höheren Wachstumspfad zu führen. Auch im laufenden Jahr war die deutsche Ölrechnung – im Vergleich zu 2013 – schon um einen ähnlichen Betrag gesunken. Zusätzliches Geld wird von den Haushalten nicht unbedingt sofort in zusätzlichen Konsum umgesetzt. Zudem ist zu bedenken, dass das Geld ja den Ölproduzenten fehlt, was sich auch in deren Nachfrage nach deutschen Exportgütern bemerkbar machen wird.

Insgesamt stellt der niedrigere Ölpreis also durchaus eine willkommene Konjunkturstütze dar, eine größere Aufwärtsrevision der Wachstumsprognose lässt sich daraus aus unserer Sicht aber nicht ableiten.

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