EZB: Weihnachtsgeschenk bleibt aus

Im Hinblick auf den Leitzins oder die unkonventionellen Maßnahmen hat die gestrige EZB-Ratssitzung keine Überraschungen bereitgehalten. Nichtsdestotrotz ist die Dezember-Sitzung kein Non-Event gewesen. So hat EZB-Chef Draghi im Rahmen der Pressekonferenz überarbeitete Projektionen zur Konjunktur- und Inflationsentwicklung vorgestellt. Diese neuen Projektionen zeigen, dass die EZB-Stabsmitarbeiter im Hinblick auf die europäischen Konjunkturaussichten deutlich skeptischer geworden sind. Für das kommende Jahr rechnen die EZB-Stabsmitarbeiter nur noch mit einem BIP-Plus von 1,0%, nachdem sie bislang von einem Wert von 1,6% ausgegangen waren. Darüber hinaus ist auch die BIP-Projektion für 2016 auf 1,5% von zuvor 1,9% deutlich nach unten revidiert worden.

Angesichts sich in den zurückliegenden Monaten rückläufig entwickelnder Energiepreise sind die EZB-Stabsmitarbeiter nicht umhingekommen, auch signifikante Anpassungen bei den Inflationsprojektionen vorzunehmen. Für 2015 liegt die Inflationsprojektion nunmehr mit 0,7% deutlich niedriger als bei der vorherigen Veröffentlichung im September (1,1%). Doch mit Blick auf diese Inflationsprojektionen könnten weitere Abwärtsrevisionen nicht ausgeschlossen werden: So hebt Notenbankchef Draghi hervor, dass der jüngste Rückgang des Rohölpreises noch keinen Eingang in diese Projektionen gefunden habe.

Letztlich werde die EZB im ersten Quartal des kommenden Jahres ihre geldpolitische Ausrichtung erneut auf den Prüfstand stellen. Sollten die deflationären Risiken zunehmen, werde die Notenbank weitere unkonventionelle Maßnahmen auf den Weg bringen. Hierbei steht vor allem ein breit angelegtes Anleiheankaufprogramm im Fokus. Angesichts dieser abwartenden Haltung der EZB reagieren die Marktakteure enttäuscht und schicken den Bund-Future auf Talfahrt, während der Euro deutlich zugelegt hat.

 

 

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