EZB: Zweiter TLTRO enttäuscht

Die EZB hat heute Vormittag das Zuteilungsergebnis des zweiten TLTRO (targeted longer-term refinancing operation) bekannt gegeben. Demnach haben 306 Geldinstitute Zentralbankliquidität im Gesamtvolumen von etwa 130 Mrd. Euro abgerufen. Mit insgesamt rund 213 Mrd. Euro ist die Nachfrage nach Zentralbankliquidität bei den ersten beiden TLTROs deutlich hinter dem maximal abrufbaren Volumen von 400 Mrd. Euro zurückgeblieben. Die Zurückhaltung der Banken bei den TLTROs erhöht den Druck auf die europäischen Währungshüter, im Kampf gegen potenzielle Deflationsrisiken weitere Maßnahmen zu ergreifen.

Die Hoffnung der EZB, dass die Geschäftsbanken nach überstandenem Stresstest beherzt bei den TLTROs zugreifen und damit die Voraussetzung dafür schaffen, die Kreditvergabe deutlich zu beleben, hat sich nicht erfüllt. Angesichts des von hoher Unsicherheit geprägten Konjunkturausblicks und der zunehmenden regulatorischen Anforderungen halten sich die Geschäftsbanken bei der Kreditvergabe weiter zurück. Aber nicht nur das Kreditangebot ist gegenwärtig ursächlich für die schwache Entwicklung des Kreditgeschäfts, sondern auch die Nachfrage nach Bankfinanzierungen ist angesichts der Investitionszurückhaltung der Unternehmen schwach ausgeprägt.
Die Zurückhaltung der Banken bei den TLTROs lässt sich auch dadurch erklären, dass die Geldinstitute nicht zwingend darauf angewiesen sind, sich frühzeitig mit EZB-Liquidität einzudecken. Angesichts des negativen Einlagesatzes sind sie gegenwärtig vielmehr bestrebt, ihre Liquiditätshaltung zu optimieren. Sollte kurzfristig weiterer Bedarf nach EZB-Liquidität bestehen, können die Geschäftsbanken diesen über die regulären Tenderoperationen abdecken. So hat die EZB die Fortsetzung ihrer Vollzuteilungspolitik bis mindestens Dezember 2016 zugesichert.

Letztlich zeigt das niedrige Tenderergebnis, dass die „Politik des billigen Geldes“ nicht zwangsläufig zum Erfolg führt. Man kann die Geschäftsbanken nicht dazu zwingen, das billige EZB-Geld zur Kreditvergabe zu verwenden, um so positive Konjunkturimpulse zu setzen. Im Kampf gegen die potenziellen Deflationsrisiken ist die EZB nunmehr selbst gefordert. Wir fühlen uns in unserer Prognose bestätigt, dass die europäischen Währungshüter im ersten Quartal ein Ankaufprogramm von Staatsanleihen beschließen werden. Inwieweit dieses allerdings dazu geeignet ist, Konjunkturimpulse zu setzen und die längerfristigen Inflationserwartungen zu stabilisieren, muss sich zeigen.

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