Fallender Rohölpreis und Divergenz der Notenbanken: US-Energiesektor ist der erste große Verlierer

Aktuell wird an den Märkten diskutiert, ob die divergierende Politik der führenden Notenbanken und die scharfe Korrektur des Ölpreises und anderer Rohstoffe nicht zu einem wachsenden Ungleichgewicht an den Finanzmärkten führen müssen.

Auf der Verliererseite könnten in einem solchen Szenario mittelfristig erneut die Schwellenländer stehen. Ganz sicher ist aber diesmal davon auszugehen, dass am Aktien- und Corporate Bond-Markt auch die Energiebranche in den USA stark leiden wird. An diesem Markt sind jüngst starke Verwerfungen aufgetreten, die sich je nach Weiterentwicklung des Ölpreises durchaus intensivieren könnten. US-Energiekonzerne haben in den vergangenen Jahren besonders stark vom Mix aus hohem Rohölpreis, niedrigen Zinsen und dem indirekt daraus resultierenden Fracking-Boom profitiert. Gleichzeitig trug dieser Sektor im großen Umfang zur Schaffung von Arbeitsplätzen und zur Erholung der US-Konjunktur bei.

Die US-Energiewerte, von denen auch ein großer Teil börsengelistet ist, haben sich in den vergangenen Jahren stark verschuldet, um neue Projekte in Angriff nehmen zu können. Ein Teil dieser Schulden wurde über High Yield-Anleihen an den Kapitalmärkten aufgenommen, die nun teilweise zu „Junk Bonds“, also Schrottanleihen, werden könnten. Die Märkte reagierten zuletzt besorgt auf diese Entwicklung und sorgten für starke Kursverluste bei den entsprechenden Bonds und auch Aktien. Der US-Energie-High Yield Bereich umfasst nach einschlägigen Bloomberg-Schätzungen rund 450 bis 500 Mrd. USD. Diese Summe entspricht zirka 16 bis 18 Prozent des Volumens der aussehenden High Yield-Flaggschiff ETFs, die in den letzten Jahren vom Anlegerpublikum infolge des zunehmenden Anlagedilemmas stark nachgefragt wurden. Zusätzlich gibt es auch noch zahlreiche sogenannte „Master Limited Partnerships“ (MLPs), eine spezielle US-Rechtsform für Energieunternehmen, die wegen ihrer hohen Dividendenzahlungen zuletzt ebenfalls bei Anlegern beliebt geworden waren und nun auch unter Druck stehen.

Es spricht markttechnisch kurzfristig sicherlich einiges dafür, dass die jüngste Kursreaktion bei US-Energieaktien und –anleihen nach unten hin übertrieben wurde. Mittelfristig ist jedoch davon auszugehen, dass die Wachstumsperspektiven im US-Energiesektor, zumindest im Bereich Fracking, wegen des Ölpreisverfalls zunächst gebremst werden. Dies dürfte sich auch negativ auf die Gewinnperspektiven der Unternehmen und die Bedienfähigkeit der ausstehenden Emissionen niederschlagen.

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2 Kommentare

Sehr geehrte Damen u. Herren,
auf der Internetseite des Handelsblatts vom17.12.14 habe ich unter > Finanzen > „Musterdepots Ölpreis fällt, Rendite steigt“ im Artikel von G. Kokologiannis gelsen, das „die DZ Bank in ihrem vielbeachteten Musterdepot ein Öl-Investment beigemischt“ hat. Es sollssich dabei um ein Zertifikat handels, das sich auf die Noradsee-Sorte Brent bezieht.
Weder auf Ihrer Internetseite „dzbank.de“ noch auf „eniteo.de“ habe ich ein solcher Musterdepot gefunden
Können Sie mir bei der Suche weiterhelfen oder ist das Depot nur einem ausgewählten Personenkreis zugänglich??
MfG
Jungherr

Ralph Müller

Sehr geehrte Damen und Herren,

auf der Webseite http://www.eniteo.de finden Sie diverse Zertifikate. Wenn Sie im Feld „Suche“ z.B. die Worte „Best“ und „Brent“ eingeben, sollten auch drei Ölzertifikate erscheinen.

Das Musterdepot selbst ist nur einsehbar über Ihre Volks-/Raiffeisenbank vor Ort.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr DZ BANK Research

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