Die Griechenland-Krise und ihre Risiken

Griechenland und womöglich die gesamte Eurozone blicken turbulenten Tagen und Wochen entgegen. Das griechische Parlament tritt morgen zur ersten Runde der Wahl eines neuen Staatspräsidenten zusammen, ohne dass damit zu rechnen wäre, dass sich die Parteien auf den Kandidaten der Regierung, Stavros Dimas, in einem der maximal drei Wahlgänge einigen werden.

Scheitert die Präsidentschaftswahl, stehen für Januar noch Parlamentswahlen an, da die Verfassung für diesen Fall die Auflösung der Volksvertretung fordert. Die linksradikale Oppositionspartei Syriza hatte bislang in jeder Wahlumfrage seit den Europawahlen einen Vorsprung gegenüber der regierenden ND. Der Vorsprung begann zuletzt aber zu schmelzen und liegt je nach Umfrage nur noch bei drei Prozentpunkten. Da Syriza und ND sich immer mehr ein Kopf-an-Kopf-Rennen leisten, bläst die Regierung zum Angriff auf die stärkste oppositionelle Kraft und setzt auch auf den Angstfaktor bei der griechischen Bevölkerung. Auch ein politisches Patt ist aufgrund der komplizierten Ausgangslage und des Wahlrechts weder ausgeschlossen noch sehr unwahrscheinlich.

Die Märkte reflektieren gegenwärtig die große Unsicherheit in Bezug auf den Ausgang der Präsidentenwahl sowie etwaiger vorgezogener Parlamentswahlen. Sollte Syriza tatsächlich aus den Wahlen als Siegerin hervorgehen, dürfte die Risikoaversion am Markt nochmals sprunghaft ansteigen. Anstatt der abstrakten Möglichkeit eines griechischen Zahlungsausfalls könnten Anleger den Staatsbankrott dann sogar als eher wahrscheinlich betrachten. Ob Syriza tatsächlich bis zum äußersten ginge und es auf ein Scheitern der Verhandlungen mit der Troika ankommen ließe, ist allerdings keineswegs sicher. Die Partei gibt sich neuerdings deutlich gemäßigter als vormals. Die Gefahr allein weckt aber ungute Erinnerungen an den Höhepunkt der Staatsschuldenkrise in den Jahren 2011 und 2012.

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