Preisverfall übertrieben – Rohöl scheint attraktiv

Der Rohölpreis hat sich seit dem Sommer diesen Jahres nahezu halbiert, insbesondere seit der Sitzung der OPEC Ende November beschleunigte sich der Preisverfall. In der Rückschau lassen sich dafür viele valide Gründe finden. Auf der Angebotsseite zu nennen sind eine steigende Ölproduktion der USA („Fracking“), geringer als befürchtete Förderausfälle u.a. im Irak, in Russland und in Libyen sowie schließlich die Ankündigung der OPEC, die Fördermenge nicht zum Zwecke der Preisstabilisierung zu begrenzen. Auf der Nachfrageseite könnte sich ein geringer ausfallendes weltwirtschaftliches Wachstum preisdrückend ausgewirkt haben. Ob sich die genannten Aspekte jedoch in den letzten Wochen in einem Maße geändert haben, welches den aktuellen Ölpreisverfall in dieser Größenordnung rechtfertigt, bezweifeln wir.

Zum einen halten wir die (geo-)politische Situation in einigen wichtigen Förderländern nicht für so entspannt, wie es der Preisverfall signalisiert, so dass im Falle einer Lagezuspitzung schnell wieder eine Krisenprämie eingepreist werden dürfte. Zum anderen könnte sich die Argumentation „Ölpreis fällt, weil sich die Weltkonjunktur abschwächt“ schnell selbst negieren, denn der Ölpreisverfall dürfte nennenswerte konjunkturelle Schubkraft erzeugen. Erstens dürfte ein unmittelbarer Konsumanstieg in den Industrieländern daraus resultieren. Zweitens sind auch die konjunkturstimulierenden Zweit- und Drittrundeneffekte der Rohöl-Baisse nicht zu unterschätzen. So kalkuliert der Internationale Währungsfonds (IWF) bei einem Rückgang des Rohölpreises in der aktuell realisierten Größenordnung BIP-Anstiege in den (Rohöl importierenden) Industriestaaten von plus 0,8%, denen allerdings in einer globalen Perspektive die „BIP-Verluste“ der Rohöl-(Netto-)Exportstaaten teilkompensierend entgegengestellt werden müssen. Ein dritter Preissteigerungsimpuls ergibt nach unserer Überzeugung über die „preisopportunistische“ Aufstockung der strategischen Rohöl-Lagerbestände in China. Das Land hat in den vergangenen Jahren regelmäßig die Ordermengen erhöht, wenn die Rohstoffpreise auf temporäre Tauchfahrt gingen. Auch die sich jüngst deutlich erhöhende Zahl in Richtung Asien fahrender Rohöl-Supertanker und der damit verbundene massive Charter-Raten-Anstieg für „Asien-Routen“ unterstützen diese „Schnäppchenjagd-These“.

Weil wir den Preisverfall bei Rohöl für übertrieben halten, scheint ein Investment auf dem nun erreichten Niveau attraktiv.

 

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