Was bedeutet ein „Grexit“ für die Konjunktur?

Vor den anstehenden Parlamentswahlen in Griechenland nehmen die Befürchtungen zu, dass es nach einer Regierungsübernahme von Syriza zu einem zweiten Schuldenschnitt sowie zu einem „Grexit“ kommen könnte. In einem solchen Szenario wäre davon auszugehen, dass die griechische Volkswirtschaft in eine schwere Rezession zurückfallen dürfte. Ein „Grexit“ würde nämlich die Nachfrage von Unternehmen und Haushalten stark dämpfen, der Bankensektor würde ins Schlingern geraten. Problematisch wäre auch, dass sich internationale Kapitalgeber aus Griechenland zurückziehen dürften. Damit würde der strukturelle Umbau der griechischen Volkswirtschaft erheblich erschwert werden. Für Griechenland wären daher die jüngsten Anzeichen einer Verbesserung der konjunkturellen, finanziellen und strukturellen Lage verloren.

Für die restlichen Euro-Länder dürften sich dagegen die konjunkturellen Auswirkungen eines „Grexit“ in Grenzen halten. Dies liegt vor allem an den Stabilitätsankern EZB und ESM. Der Anteil Griechenlands an der EWU-Wirtschaftsleistung ist ohnehin mit 1,8 Prozent sehr klein. Und auch von den Handelsverflechtungen droht bei einem „Grexit“ kein wahrnehmbares Risiko für die Rest-Währungsunion. Ein größeres Konjunkturrisiko besteht allerdings bei einem zweiten Schuldenschnitt Griechenlands, falls dieser größere Konsolidierungsprogramme in der Rest-Währungsunion nach sich ziehen würde. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind die möglichen Konjunktur-Auswirkungen eines weiteren Schuldenschnitts allerdings nicht vorhersehbar: Die konkreten Belastungen für die öffentlichen Haushalte innerhalb der Eurozone müssten erst einmal beziffert werden.

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