Mindestkurs in Euro-Franken ist Geschichte

Die Schweizer Nationalbank hat heute Vormittag völlig überraschend angekündigt, den Mindestkurs in Euro-Franken aufzuheben. Ausgehend von Kursen knapp oberhalb der Wechselkursuntergrenze von 1,20 CHF, fiel das Währungspaar binnen weniger Minuten im Tief auf 0,86 CHF – eine Aufwertung des Franken von gut 28%.

Nach Angaben der SNB sind die bei der Einführung des Mindestkurses vorherrschenden Voraussetzungen nicht mehr gegeben. So seien die „massive Überbewertung“ des Franken und die größte Verunsicherung an den Finanzmärkten vorüber. Zudem hätten sich die Unterschiede in der geldpolitischen Ausrichtung zwischen den USA und dem Euroraum verstärkt, wodurch der Franken gegenüber dem US-Dollar an Boden verloren hat. Insgesamt sei der Franken lediglich noch „hoch bewertet“.

Es ist anzunehmen, dass der Druck auf die SNB-Untergrenze und damit auch die Notwendigkeit, am Devisenmarkt zulasten des Franken bzw. zugunsten des Euro weiter zu intervenieren, vor dem Hintergrund der jüngsten Schwäche der Gemeinschaftswährung deutlich zugenommen hat. Die Schweizer Währungshüter scheinen demnach – zumindest aus ihrer Sicht – die Reißleine gezogen zu haben, bevor ihre Kollegen in Frankfurt ein breit angelegtes Staatsanleiheankaufprogramm auf die Beine stellen. So könnte dieses den Abwertungsdruck auf die Gemeinschaftswährung zusätzlich verschärfen. Womöglich sah man sich in der Schweiz bereits mit dem chinesischen Problem eines immensen Devisenreserveberges konfrontiert, dessen Abbau kaum möglich erscheint.

Derzeit hat sich Euro-Franken im Bereich der Parität stabilisiert – immer noch eine Aufwertung von gut 15%. Zwar konnte sich die Schweizer Wirtschaft in den letzten Jahren auf einen stärkeren Franken einstellen. Zudem sind die Exporte der Schweiz weniger preissensitiv als diejenigen anderer Länder. Eine so deutliche, überraschende Aufwertung innerhalb kurzer Zeit dürfte jedoch auch an den eidgenössischen Unternehmen und deren Ausfuhren nicht spurlos vorbeigehen. Zudem dürfte sich die deflationäre Tendenz verschärfen. Die zu beobachtende Frankenaufwertung dürfte für die SNB nicht überraschend kommen.

Dennoch darf man sich die Frage stellen, wie die SNB mit der jüngsten Aufwertung ihrer Währung umgehen wird. Eine Wiedereinführung der Wechselkursuntergrenze wäre sicherlich keine glaubwürdige Option, um möglicherweise auftretenden unerwünschten Nebeneffekten zu begegnen. Und an der Wirksamkeit einer weiteren Absenkung des Einlagesatzes bestehen erhebliche Zweifel.

Mittelfristig dürfte die SNB die heimische Wirtschaft durch ihre heutige Entscheidung merklich belasten, wodurch der Franken mittelfristig unter Druck geraten könnte. In den nächsten Tagen und Wochen dürfte dies jedoch eine untergeordnete Rolle spielen. Vielmehr sollte der Franken bis auf weiteres gegenüber dem Euro unter Aufwertungsdruck bleiben.

 

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