Frankenaufwertung trifft SMI-Unternehmen zur Unzeit

Ein dauerhaft starker Franken dürfte sich negativ auf verschiedene Branchen und Unternehmen in der Schweiz auswirken. Zum einem dürfte die Binnenwirtschaft leiden, weil insbesondere dem so wichtigen Tourismusgeschäft nun zunehmend Einbußen drohen. Zum anderen leidet der Exportsektor, weil sich durch die Aufwertung der heimischen Währung die Absatzchancen im Ausland verschlechtern. Zwar bestehen teilweise kompensierende Effekte, u.a. weil das rohstoffarme Land viele Güter zu günstigeren Preisen importieren kann, insgesamt dürften die Unternehmen jedoch nun mit zunehmenden Problemen konfrontiert werden.

Dass der Franken wieder zu einer der härtesten Währungen der Welt wird, ist für die im schweizerischen Leitindex SMI vertretenen Unternehmen vielleicht eine verdrängte, an sich aber keine wirklich neue Erfahrung. Bereits im Zeitraum 2008 bis 2012 wertete der Franken massiv auf, damals von 1,60 auf 1,20 CHF je EUR, bevor die Schweizer Nationalbank einen Mindestkurs fixierte. Gegenüber dem US-Dollar hat der Franken seit dem Ende des Bretton-Woods-Systems 1973 kontinuierlich aufgewertet.

Trotz der Vergangenheit des Schweizer Franken als jahrzehntelange Hartwährung haben die Schweizer Unternehmen dennoch erfolgreich wirtschaften können. Rahmenbedingungen wie unternehmer- und arbeitnehmerfreundliche Steuersätze, gute Bildungssysteme und ein klarer Fokus auf Qualität haben den Unternehmen geholfen, die Produktivität zu steigern. Zeitgleich haben sich viele Schweizer Unternehmen in die globale Elite vorgearbeitet.

Wie sich die jüngste Frankenaufwertung auf die Schweizer Unternehmenswelt auswirken wird, kann nur allgemein analysiert werden. Sicherlich werden zyklisch aufgestellte Exportunternehmen kurzfristig leiden, insbesondere in Sektoren wie der Metall- und Elektroindustrie. Dienstleister, die vornehmlich im Inland aktiv sind, dürften hingegen weniger stark unter Druck geraten. Wie sehr jedoch die international agierenden großen Unternehmen Einbußen werden hinnehmen müssen, ist fallspezifisch zu beurteilen. Erste Hinweise darauf könnten Anleger im Zuge der anstehenden Berichtssaison erhalten, dann dürften sich die Unternehmen ausführlicher zu den erwarteten Folgen der Frankenaufwertung äußern.

Es ist davon auszugehen, dass sich die jüngste Frankenbewegung nicht eins zu eins bei den Unternehmen niederschlagen wird. Dagegen sprechen einige Faktoren, u.a.:

1. Ein Großteil der Verwaltung (auch F&E) ist bei verschiedenen Unternehmen zwar in der Schweiz angesiedelt, die Unternehmensumsätze werden jedoch weltweit erzielt und sind somit hinreichend diversifiziert. Hierzu gehören insbesondere Gesellschaften aus Branchen wie z.B. Nahrungsmittel, Pharma, Luxusgüter oder Biotechnologie. Diese produzieren und verkaufen teilweise weniger als 5% ihrer Produkte in der Schweiz.

2. Nicht alle Schweizer Unternehmen bilanzieren in Franken. So berichten nach Bloomberg-Angaben acht der 20 SMI-Unternehmen in einer Fremdwährung.

3. Die Unternehmen leiden zwar im Exportgeschäft auf der Absatzseite, können aber gleichzeitig dank der Frankenstärke im Ausland günstiger einkaufen, z.B. Rohstoffe.

4. Einige Unternehmen könnten den starken Franken nutzen, um ihre Marktposition durch strategische Zukäufe im Ausland auszubauen.

Weil die negativen Kurseffekte der Frankenaufwertung nicht eins zu eins negativ durchgereicht werden, können sich deutsche Anleger zunächst noch beruhigen. Es ist aus unserer Sicht momentan wenig wahrscheinlich, dass die Schweizer Großunternehmen kurzfristig auf breiter Front die Dividendenzahlungen kürzen werden. Dagegen spricht unter anderem auch die komfortable Bilanzsituation der meisten Unternehmen, die in der Regel durch eine hohe Cash-Bevorratung gekennzeichnet ist.

Anleger aus dem Euroraum könnten sich nach den jüngsten Kursverlusten nun veranlasst sehen, in der Schweiz auf „Schnäppchenjagd“ zu gehen. Wir halten nicht viel von einem solchen Ansatz, zumindest nicht auf Indexebene. Der Schweizer Aktienmarkt gehört weltweit zu den teuersten. Gemessen am zyklenadjustierten Shiller-KGV, notiert der SMI bei aktuell 24 Punkten, nur der US-Aktienmarkt ist momentan noch höher bewertet. Die großen europäischen Aktienmärkte (z.B. Frankreich, Italien, Spanien oder der Euro Stoxx 50) werden hingegen nur mit Shiller-KGVs in der Bandbreite zwischen neun und zwölf bewertet.

 

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