China: Wachstum schwächt sich nur leicht ab – fällt aber auf 24-Jahres-Tief

Die chinesische Wirtschaft ist 2014 so langsam gewachsen wie seit 24 Jahren nicht mehr – dies legen die neuesten offiziellen Zahlen des chinesischen Statistikamtes nahe: Danach ist die reale Wirtschaftsleistung im vergangenen Jahr um 7,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen, ein schwächeres Wachstum gab es in den letzten drei Jahrzehnten nur in den Jahren 1989 und 90. Anders aber als damals, als sich das Wachstum mehr als halbierte, spiegeln die nun gemeldeten Daten eine äußerst moderate konjunkturelle Abschwächung wider. Bereits 2013 lag das BIP-Wachstum mit 7,7 Prozent nur geringfügig über dem aktuellen Niveau.

Entscheidend ist die politische Botschaft der neuesten Wachstumskennziffer: Erstmals seit der Jahrtausendwende wurde die offizielle Zielvorgabe für das Wirtschaftswachstum – wenn auch nur marginal – verfehlt. Bis dato galt die Erfüllung bzw. deutliche Übererfüllung des Wachstumsziels als unumstößliche Doktrin aller chinesischen Regierungen. Dass sich die aktuelle Pekinger Führung unter Präsident Xi von dieser Doktrin löst, zeichnet sich seit ihrem Amtsantritt vor zwei Jahren zunehmend ab. Xi nennt dies „neue Normalität“, womit er nicht nur den Abschied von den hohen Wachstumsraten der Vergangenheit, sondern auch von einem Wachstum um jeden Preis meint. Wir gehen davon aus, dass Peking das Wachstumsziel für dieses Jahr erneut senken wird.

Der Abschwung am Immobilienmarkt und die damit verbundene schwache Bautätigkeit waren die Hauptbelastungen für die chinesische Wirtschaft im vergangenen Jahr. Hinzu kam die anhaltende Anti-Korruptionskampagne Pekings, die nach wie vor einzelne Segmente der Konsumnachfrage empfindlich dämpft. All dies spiegelt sich auch in einer ungewöhnlich schwachen Entwicklung der Importe wider, die 2014 kaum mehr als stagnierten. Angesichts der weiterhin schwächelnden Weltkonjunktur haben die Exporte Chinas im vergangenen Jahr zwar ebenfalls an Schwung verloren. Gleichwohl konnte das Land einen Rekordüberschuss in der Handelsbilanz erzielen – der Außenhandel hat daher zweifellos positiv zum Wirtschaftswachstum beigetragen.

Wir rechnen damit, dass sich die weitgehend stabile, vom Trend aber leicht abwärts gerichtete Wachstumsentwicklung in diesem Jahr fortsetzen wird: Der Häusermarkt hat seine Talsohle durchschritten, die Belastungen von der Baukonjunktur dürften daher nachlassen. Die Weltwirtschaft dürfte nicht zuletzt dank des Ölpreisverfalls etwas stärker wachsen und die Exportentwicklung Chinas beleben. Die chinesische Wirtschaft selbst sollte ebenfalls von den niedrigeren Energiekosten profitieren können. Dies erhöht den Spielraum Pekings, wachstumsdämpfende Maßnahmen der umfangreichen Reformagenda anzugehen, wie beispielsweise den Abbau der enormen Überkapazitäten in der Schwerindustrie. Ganz wird die chinesische Führung aber auf stabilisierende wirtschaftspolitische Eingriffe wohl auch in diesem Jahr nicht verzichten können, obwohl diese den Reformzielen größtenteils entgegenwirken. So rechnen wir angesichts der äußerst moderaten Inflationsentwicklung mit einer weiteren Lockerung der Geldpolitik. Mit 7,2 Prozent dürfte die chinesische Wirtschaft in diesem Jahr unseres Erachtens erneut etwas schwächer wachsen als im Vorjahr. Wird das Wachstumsziel bei der Jahrestagung des Nationalen Volkskongresses im März auf 7 Prozent gesenkt, könnte Peking dann sogar wieder ein zielkonformes Wachstum gelingen.

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