Spanien ist nicht Griechenland

Im Vorfeld der griechischen Parlamentswahlen waren alte Sorgen um einen möglichen Dominoeffekt wieder aufgekeimt: Turbulenzen eines Staates der europäischen Peripherie könnten sich rasch auf andere bonitätsschwächere Länder der Eurozone übertragen. Trotz des Sieges des Troika-kritischen Lagers in Athen haben sich solche Befürchtungen jedoch schnell zerschlagen – Anleger differenzieren deutlich stärker zwischen den einzelnen EWU-Staaten. Als schlagendes Beispiel können hierfür die Entwicklungen in Spanien dienen, wenn auch insbesondere mit Blick auf die Veränderungen in der politischen Landschaft Parallelen zu Griechenland erkennbar sind.

Vor dem Hintergrund deutlicher Sparanstrengungen und glaubwürdiger Strukturreformen ist es der Regierung Rajoy gelungen, Spanien wieder auf einen Wachstumspfad zu leiten. Im laufenden Jahr dürfte Madrid sogar zu den Wachstumslokomotiven der Währungsunion gehören. Während die Rekordtiefstände von Renditen spanischer Staatsanleihen in großen Teilen auf die Geldpolitik der EZB zurückzuführen sind, dürften Investoren auch wieder verstärkt auf lokale Entwicklungen achten. So steht Ende des Jahres die Wahl eines neuen Parlaments an, was angesichts der Umfragestärke der linksalternativen Podemos-Protestpartei einen Unruheherd darstellt – diese tritt mit ähnlich radikalen Forderungen wie ihr griechisches Pendant Syriza an.

Auch wenn viele Staaten der EWU-Peripherie auf den ersten Blick mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben – hierzu zählen vor allem eine hohe Arbeitslosigkeit und Staatsverschuldung sowie der Rückenwind für alternative Parteien abseits der Mitte – sollte die eingangs erwähnte Differenzierung – insbesondere zwischen Griechenland und dem Rest der Peripherie – anhalten: zu sehr unterscheiden sich die Entwicklungen in den einzelnen Ländern im Detail. Damit dürfte das Bonmot der ehemaligen spanischen Finanzministerin Salgado aus dem Jahr 2010 seine Gültigkeit bewahren: Spanien ist nicht Griechenland.

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