EWU: Inflationsrate im Januar auf historischem Tiefstand

Die Inflationsrate (Harmonisierter Verbraucherpreisindex HVPI) im Euroraum ist im Januar nach vorläufigen Angaben auf -0,6 Prozent zurückgegangen (nach -0,2 Prozent im Dezember). Damit setzt sich der Abwärtstrend der Inflationsrate beschleunigt fort. Mit den -0,6 Prozent notiert sie sogar so tief wie seit dem Monat Juli 2009 nicht mehr, der in der Messung der EWU-Inflation einen historischen Tiefpunkt markiert.

Der massive Rückgang des Ölpreises etwa seit der Jahresmitte 2014 hat sich bis in den Januar 2015 weiter fortgesetzt und damit maßgeblich zum erneuten Rückgang der Inflationsrate geführt. Preise für Energiegüter ermäßigten sich im Vorjahresvergleich um 8,9 Prozent. Zwar haben diese nur ein Gewicht von rund zehn Prozent am gesamten Warenkorb. Die deutliche Verbilligung von Benzin und Heizöl trägt damit aber knapp einen Prozentpunkt zur aktuellen disinflationären Lage bei. Aber auch andere Komponenten verzeichneten Preisrückgänge. Die Rate von Nahrungsmitteln, Tabak und Alkohol sank auf -0,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr, genauso wie die Preise von Industriegütern ohne Energie. Bei den Dienstleistungen verringerte sich die Inflationsrate von 1,2 Prozent auf 1,0 Prozent. Daher gab auch die Kernrate, also die Verbraucherpreisentwicklung ohne die volatilen Bereiche der Nahrungsmittel und der Energie, von 0,7 auf 0,5 Prozent nach. Dies ist ein Fingerzeig, denn im abgelaufenen Jahr 2014 schwankte sie zwischen 0,7 und 1,0 Prozent und war damit noch weitestgehend stabil.

Seit Mitte Januar notiert der Rohölpreis bei knapp 50 US-Dollar. Damit ist der rückläufige Trend aus den letzten Monaten zwar erst einmal zum Stillstand gekommen. Dennoch dürfte aufgrund der höheren Energiepreise in den Vorjahresmonaten die Energiepreiskomponente in den kommenden Monaten die Inflation weiter bremsen. Wir erwarten, dass die Inflationsrate im ersten Halbjahr 2015 weiter im negativen Bereich verbleibt. Zweitrundeneffekte der niedrigen Energiepreise könnten zudem in den folgenden Monaten sich auch bei den anderen Komponenten, wie etwa bei den Transportdienstleistungen preissenkend auswirken. Dies drückt dann nicht nur die Inflationsrate insgesamt, sondern auch die Kernrate. Vor diesem Hintergrund ist auch in den kommenden Monaten mit negativen Inflationsraten für die EWU zu rechnen.

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