Griechenland hadert mit der EWU

Die unerwartete Regierungskonstellation in Athen und die ersten politischen Entscheidungen der neuen griechischen Regierung unter Ministerpräsident Tsipras haben die Ausgangslage für Verhandlungen zwischen Hellas und der Troika erschwert. Die Positionen liegen weit auseinander. Griechenland fordert einen Schuldenerlass und ein Ende des „Spardiktats“, während die Troika angesichts der guten wirtschaftlichen Entwicklung im vergangenen Jahr keinen Grund für Nachbesserungen sieht.

Die Hoffnungen, die griechische Regierung könne nach Amtsantritt moderatere Töne anschlagen, nachdem Syriza im Wahlkampf eher verbal abgerüstet hatte, haben sich bis dato nicht bewahrheitet. Die Kreditgeberländer haben umgehend reagiert und ihrerseits ebenfalls zunächst keine Signale des Entgegenkommens gesendet.

Unterdessen läuft Griechenland die Zeit davon. Das Liquiditätspolster in der Staatskasse ist deutlich gesunken, die Hilfszahlungen sind bis zum Abschluss des Troika-Reviews aufgeschoben. Zwar könnte das Ende Februar auslaufende Hilfsprogramm verlängert werden, allerdings stehen in den kommenden Wochen bereits Zinszahlungen in dreistelliger Millionenhöhe an Anleihegläubiger an.

Während beide Seiten wegen der hohen wirtschaftlichen und finanziellen Risiken eines griechischen Zahlungsausfalls und einem wahrscheinlich folgenden Grexit ein Interesse hätten, sich zu einigen, wächst das Risiko, dass die Gespräche aus politischen Gründen scheitern. Die bedingte Wahrscheinlichkeit, dass es zu einem Grexit kommt, dürfte inzwischen bei etwa 30% liegen.

Der Markt hat auf die neue politische Lage bereits mit deutlichen Kursabschlägen bei griechischen Anleihen reagiert.

 

Artikel bewerten


Vielen Dank für Ihre Wertung. Ihre Wertung:
Aktuell ist noch keine Bewertung vorhanden. Seien Sie der Erste! Aktuelle durchschnittliche Bewertung des Artikels: 0

Hinterlasse eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *