Griechenland: Auch noch ein Schnitt bringt keine Heilung

Griechenland steckt in einer Schuldenfalle. Die einzige Chance, dieser Schuldenfalle nachhaltig zu entkommen, wäre eine konsequente Spar- und Strukturreformpolitik. Die neue griechische Regierung setzt aber auf einen Schuldenschnitt und höhere Ausgaben vor allem für konsumtive Zwecke.

Die Verhandlungen zwischen den Kreditgebern und Griechenland dürften zäh und langwierig werden. Während Griechenlands Forderungen nach Bonds mit einer endlosen Laufzeit kaum Aussicht auf Erfolg haben, könnten die Kreditgeber allenfalls bei der Laufzeit und der Zinsbelastung zu Zugeständnissen bereit sein. Auch Griechenlands Wunsch nach einer Senkung des Primärüberschussziels stößt auf Widerstand. Vor allem bei der Kernfrage, ob mehr Austerität die Schuldentragfähigkeit Griechenlands verbessert oder die Lage sogar weiter verschlechtert, vollzieht sich ein Riss zwischen den Parteien, aber auch im Lager der Kreditgeber.

Einigten sich beide Seiten auf ein neues Schuldenabkommen, um das Risiko eines Grexits zu vermeiden, dürfte die Erleichterung aber nur kurz währen. Griechenlands Aussichten hinsichtlich des Primärsaldos sowie des BIP-Wachstums sprechen vor dem Hintergrund der wirtschaftspolitischen Pläne der neuen Regierung gegen eine nachhaltige Verbesserung der Schuldentragfähigkeit. Griechenland könnte in wenigen Jahren erneut in arge finanzielle Schwierigkeiten geraten.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Griechenland entweder kurz- oder mittel- bis längerfristig nochmals einen Zahlungsausfall erleidet, beziffern wir auf über 70%. Das Risiko eines Grexits liegt kurzfristig bei knapp 30%, längerfristig sogar bei über 40%.

Griechische Staatsanleihen werden im Verlauf der aktuellen Verhandlungen voraussichtlich weiter unter Druck geraten. Kommt eine Einigung zwischen Kreditgebern und Griechenland zustande, dürfte die Erholung bei griechischen Papieren dennoch nicht lange währen.

 

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