Harter Dollar setzt Corporate America zu

Der harte Dollar setzt den großen börsengelisteten US-Unternehmen zu. Die Gesellschaften im S&P 500 erzielen jeden dritten Dollar Umsatz außerhalb der USA und leiden deutlich stärker unter der Aufwertung des Greenbacks als die amerikanische Wirtschaft insgesamt, die nur jeden zehnten Dollar im Ausland umsetzt. Speziell Unternehmen aus den Sektoren Technologie, Nahrungsmittel und Pharma reduzierten zuletzt die Gewinnerwartungen.

Die betroffenen Unternehmen sind in den nächsten Quartalen gezwungen, der unvorteilhaften Währungsentwicklung entgegenzuwirken. Die Margen der Vorjahre sind im Auslandsgeschäft letztlich nur zu halten, wenn Preisanhebungen durchgesetzt werden können. Die Chancen dafür stehen nicht besonders gut, auch wenn wichtige Absatzmärkte, wie z.B. Europa, wieder an wirtschaftlicher Stärke gewinnen. Der Dollar sollte auch in den kommenden Monaten weiter zulegen, was sich erneut negativ auf die Gewinnmargen der Auslandsumsätze der Unternehmen auswirken würde.

Die Gewinnschätzungen für den S&P 500 selbst befinden sich schon seit geraumer Zeit im Sinkflug. Ursache für diese Bewegung war der Fall der Rohölpreise, der die Gewinne der großen Energiekonzerne drückt. Inzwischen gehen die Analysten aber dazu über, die Gewinnerwartungen für 2015 auch wegen der Dollar-Stärke zu reduzieren. Sollte der Revisionstrend in den kommenden Wochen anhalten, könnte das Gewinnwachstum, bezogen auf das Gesamtjahr 2015, sogar erstmalig seit 2009 wieder negativ ausfallen.

Das Shiller-KGV liegt mit 27 Punkten um zwei Drittel über der durchschnittlichen Bewertung der vergangenen Jahrzehnte. Nur 1929 und 2000 fiel die Überbewertung noch höher aus. Das heißt nicht unbedingt, dass es in den USA 2015 zu einem Crash kommen muss. Die Wahrscheinlichkeit dafür, dass die Party bei den US-Dividendenwerten in den kommenden 18 bis 24 Monaten dem Ende entgegengeht, ist jedoch gestiegen. Für Anleger rückt damit der Zeitpunkt näher, den Aktienmarkt vor dem Ende der Party mit einem klaren Kopf zu verlassen. Anlagen in Europa erscheinen momentan attraktiver.

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