Japan: Rückkehr zum Wachstum

Aktuelle Zahlen zu Japans gesamtwirtschaftlicher Leistung vom vierten Quartal 2014: Wie erwartet hat das Land mit einem Zuwachs von 0,6 % gegenüber dem Vorquartal (einfache Rate) bzw. von +2,2 % in der annualisierten Quartalsrate die Rezession der beiden Vorquartale hinter sich gelassen. Im Vergleich zum Vorjahresquartal blieb das Bruttoinlandsprodukt allerdings mit -0,4 % (J/J) im Minus. Japan hat also noch eine gewisse Wegstrecke vor sich, bevor der gesamtwirtschaftliche Wachstumspfad als zufriedenstellend gelten kann. Auf das Gesamtjahr 2014 bezogen hat Japan nur Null-Wachstum erzielt. Für den Premierminister und seine „Abenomics“ kann dies nicht als Erfolg gelten.

Im Endquartal des letzten Jahres hat vor allem positiv gewirkt, dass die Exporte relativ kräftig zulegen konnten. Mit +2,7 % (Q/Q) wuchsen sie rund doppelt so schnell wie die Importe, so dass vom Außenhandel ein klarer Wachstumsbeitrag kam. Der niedrige Yen-Wechselkurs vom Jahresende, die gestiegene globale Nachfrage nach Japans Industriegüterexporten, aber auch der stark gefallene Ölpreis, der Japans Kosten für seine hohen Energieimporte entsprechend verbilligt hat, waren begünstigende Faktoren. Dagegen war die Binnennachfrage zuletzt noch nicht wieder in guter Verfassung. Die privaten Verbraucher haben gegen Jahresende zwar ihren Konsum weiter leicht ausgeweitet (+0,3 % Q/Q), jedoch bei weitem nicht so stark wie erwartet. Die Kaufzurückhaltung, die nach der Anhebung der Konsumsteuer vom April 2014 eingesetzt hatte, wirkt also noch nach. Die Investitionstätigkeit der Unternehmen hat kaum mehr als stagniert, und auch der Staatsverbrauch war mit +0,1 % (Q/Q) nur mäßig dynamisch.

Trotz allem sind nun aber die Chancen durchaus gut, dass Japans Konjunktur bald „in die Gänge“ kommt. So hat sich im Januar das Verbrauchervertrauen zum zweiten Mal in Folge verbessert, was wohl auch damit zusammenhängt, dass Shinzu Abe die zweite Stufe der Konsumsteueranhebung im Dezember um 18 Monate auf den Oktober 2017 verschoben hat. Von dieser Seite her werden also erst einmal keine neuen Störungen für den Konsum ausgehen. Die Arbeitslosenquote ist derzeit mit 3,4 % so niedrig wie seit August 1997 nicht mehr. Auch hiervon dürfte ein stützender Effekt für den Konsum ausgehen. Zudem hat Shinzo Abe ein neues Konjunkturpaket angekündigt, das neben Investitionen auch Hilfen für bedürftige Privathaushalte enthält. Die Unternehmen haben zuletzt mehrere Quartale in Folge starken Lagerabbau betrieben, so dass eine baldige Wende im Lagerzyklus naheliegt. Die jüngsten Auftragseingänge im Maschinenbau zeigten ein starkes Plus, was andeutet, dass die Investitionsneigung sich endlich zu erholen scheint. Die für dieses Jahr anvisierte leichte Senkung der Körperschaftsteuer sollte ebenfalls der Investitionslaune zugute kommen.

Wir sind in unserer Wachstumsprognose 2015 für Japan nicht überschwänglich, aber auch nicht so skeptisch wie andere Beobachter und erwarten ein gesamtwirtschaftliches Wachstum in der Größenordnung von 1 ½ %.

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