Deutscher Konjunkturmotor läuft derzeit wie geschmiert

Die deutsche Konjunktur läuft zu Jahresbeginn 2015 merklich besser, als das noch im Herbst letzten Jahres absehbar war. Die Gründe dafür sind vor allem in der Ölpreis- und der Wechselkursentwicklung der letzten Monate zu sehen, die der deutschen Wirtschaft bereits zum Ende letzten Jahres einen Schub gegeben und auch die Perspektiven für das Frühjahr deutlich aufgehellt haben.

Mit dem Ölpreisverfall, der zwischen Anfang Oktober und Mitte Januar zu einer Halbierung des Weltmarktpreises für Rohöl (Brent in US-Dollar) geführt hat, sowie der beträchtlichen Abwertung des Euro im gleichen Zeitraum haben sich die Rahmenbedingungen für die deutsche Wirtschaft stark zum Positiven verändert. Profiteure sind vor allem die deutschen Verbraucher aber auch Unternehmen, besonders wenn sie stark im Außenhandel mit dem Nicht-EWU-Ausland engagiert sind.

Zu den für Deutschland externen Rahmenbedingungen kann auch die Geldpolitik der EZB gerechnet werden, die nicht nur den Eurokurs drückt, sondern auch maßgeblich für das extrem niedrige Zinsniveau verantwortlich zeichnet. Der deutsche Konsument sieht sich daher derzeit mit Bedingungen konfrontiert, die ihm das eingeübte Sparverhalten gründlich austreiben, wie sich an der deutlich gestiegenen Bereitschaft zu größeren Ausgaben ablesen lässt. Gleichzeitig ist die in Umfragen ermittelte Sparneigung auf ein bislang nie dagewesenes Niveau gefallen – im Gleichschritt mit den Zinsen, die ein Sparer noch erwarten darf.

Die aktuelle konjunkturelle Aufwärtsbewegung wird die deutsche Wirtschaft im weiteren Jahresverlauf 2015 noch tragen. Kurzfristig ist der private Verbrauch die Hauptstütze der Belebung. Der spürbar reduzierte Außenwert des Euro bietet der Industrie aber verbesserte Absatzchancen auf den Exportmärkten außerhalb der EWU. Allmählich dürften sich verbessernde Geschäftsaussichten und eine erhöhte Kapazitätsauslastung auch die ins Stocken geratene Investitionserholung wieder Fahrt aufnehmen lassen. Seit dem letzten Herbst wächst bei den heimischen Unternehmen jedenfalls wieder die Zuversicht, wie sich etwa im ifo-Geschäftsklimaindex zeigt.

Wir gehen für die deutsche Konjunktur in den kommenden Quartalen von einer (auf das Jahr hochgerechneten) Wachstumsdynamik zwischen 1,5 und 2 Prozent aus. Für den Jahresdurchschnitt 2015 ergibt sich daraus eine Wachstumsrate von 1,8 Prozent, nach 1,6 Prozent im letzten Jahr. Für 2016 erwarten wir dann aufgrund der nachlassenden Unterstützung des Konsums von Seiten der Energiepreise eine Beruhigung der Wachstumsdynamik auf eine Jahresrate von 1,6 Prozent.

Denn die gegenwärtige Entlastung der privaten Haushalte von Ausgaben für Energie bringt zwar eine kräftige Konjunkturbelebung, doch dauerhafte Wachstumsimpulse sind daraus nicht zu erwarten. Der positive Effekt könnte sich sogar bereits im Jahresverlauf 2015 wieder umkehren, wenn die Energiepreise die leichte Erholung der letzten zwei Wochen über eine längere Zeit fortsetzen sollten. Daneben besteht in der mittleren Frist das Risiko, dass sich die negativen Folgen der jüngsten sozial- und arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen (Mindestlohn, Rente mit 63) stärker bemerkbar machen.

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