EZB gewährt Einblicke in den geldpoltischen Entscheidungprozess

Während Notenbankbeschlüsse in der Vergangenheit oft eine „Aura der Diskretion“ umgab, hat sich zwischenzeitlich in Notenbankkreisen die Überzeugung durch­gesetzt, dass Offenheit und Nachvollziehbarkeit geldpolitischer Beschlüsse im Interesse aller Beteiligten liegt. Dabei ermöglicht es ein seit kurzem eingeführter, geänderter Rhythmus der Ratssitzungen der EZB, ein neues Instrument zur Verbesserung der geldpolitischen Transparenz einzuführen. Nunmehr veröffentlicht die EZB im Nachgang zu einer Zinssitzung eine Zusammenfassung der geldpolitischen Erörterungen innerhalb des EZB-Rates. Dieses geldpolitische „Protokoll“ soll jeweils vier Wochen nach einer jeweiligen Zinssitzung veröffentlicht werden.

Zwischenzeitlich liegt das erste derartige geldpolitische Protokoll vor. Dieses bezieht sich auf die EZB-Zinssitzung vom 21./22. Januar dieses Jahres, bei der auch der „historisch“ zu nennende Beschluss eines QE-Programmes getroffen wurde. Allein gemessen an der Seitenzahl liefert die Notenbank mit diesem neuen Kommunikationsmittel einen gewissen Einblick in die Gedankenwelt der Währungs­hüter. Mit 19 Seiten hält die EZB zwar noch etwas Abstand zu den jüngsten „Minutes“ der US-Notenbank (21 Seiten), übertrifft aber das Vergleichskonvolut der Bank of England (13 Seiten) um Längen.

Die geldpolitischen Erörterungen der EZB geben einen durchaus interessanten Einblick in den Diskussionsverlauf während einer Zinssitzung. Besonderes bemerkenswert erachten wir in diesem Zusammenhang, dass der Beschluss, monatlich Anleihen im Volumen von 60 Mrd. Euro anzukaufen, sogar über dem ursprünglichen Vorschlag von EZB-Chefvolkswirt Praet von 50 Mrd. Euro gelegen hat. Weitere grundlegende neue Erkenntnisse bringt das neue EZB-Protokoll unserer Einschätzung nach nicht.

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