Aufschwünge sterben nicht am Alter, sondern durch Notenbanken

Nach sechs Jahren Börsenaufschwung wird die Luft für Investoren zunehmend dünner. Die Erholung des US-Aktienmarktes dauert schon knapp ein Jahr länger als ein durchschnittlicher US-Bullenmarkt seit dem Ende des 2. Weltkriegs. Der S&P 500 steht heute dreimal so hoch wie im Tief 2009. Solche starken Anstiege – nicht nur bei amerikanischen Titeln – machen die Aktienindizes anfällig für Rückschläge. Der Raum für Fehleinschätzungen ist angesichts der hohen Bewertungen zunehmend geringer geworden. Die Erholung an den Aktienmärkten könnte trotzdem noch geraume Zeit anhalten. Aufschwünge am Aktienmarkt sind in der Vergangenheit nie „am Alter gestorben“, sondern ausschließlich infolge von Rezessionen, volkswirtschaftlichen Ungleichgewichten, politischen Krisen oder einer strafferen Geldpolitik zu Ende gegangen. Bezieht man diese Erkenntnis auf den aktuellen Zins- und Konjunkturausblick, spricht im Gegenteil sogar einiges dafür, dass die Erholung an den Märkten mittelfristig noch anhalten wird. Die heutige Mischung aus einem global zunehmenden volkswirtschaftlichen Momentum, expansiven Notenbanken, der globalen „Steuersenkung“ durch den niedrigen Ölpreis sowie einer (gefühlt) rückläufigen Anzahl von Krisen ist inkonsistent mit den typischen Merkmalen, die sonst bei früheren Aktienmarkthochs auftraten. Unternehmensgewinne sollten vor diesem Hintergrund zusammen mit dem globalen Wachstum weiter expandieren und damit den Aktienmärkten Unterstützung für die gestiegenen Kurse liefern.

Wenngleich der Aufschwung an den Aktienmärkten mittelfristig weitergehen kann, ist die Situation kurzfristig sicherlich überhitzt. Das Kursplus des DAX von 17 Prozent seit Jahresbeginn ist ein herausragender Jahresauftakt. Lediglich 2012 war durch einen ähnlich starken Jahresauftakt gekennzeichnet, damals zündete die EZB erstmalig die „dicke Bertha“ und flutete die Märkte im Dezember 2011 und im Frühjahr 2012 mit Liquidität in Form der beiden LTRO-Tender. Die Liquiditätshausse fand damals Mitte März ihren temporären Höhepunkt, bevor es wieder abwärts ging und die Indexstände vom Jahresbeginn erneut markiert wurden. Zwar wiederholt sich die Geschichte nach einem bekannten Sprichwort nicht, nach dem Ende der Berichtssaison droht nun zunächst aber eine nachrichtenarme Zeit, die für Gewinnmitnahmen geeignet erscheint.

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