EZB: Das Kaufprogramm kann starten

Erwartungsgemäß haben die europäischen Währungshüter bei ihren heutigen geldpolitischen Beratungen die Leitzinsen unverändert belassen. Darüber hinaus wurden auch keine neuen unkonventionellen Maßnahmen auf den Weg gebracht. Nichtsdestotrotz war insbesondere die an die Zinsentscheidung anschließende Pressekonferenz kein Non-Event. Zwar hatten die Notenbank-Oberen bereits im Januar ein breit angelegtes Anleiheankaufprogramm (QE) auf den Weg gebracht, doch war die EZB im Hinblick auf Details dieses QE-Programmes vage geblieben.

EZB-Chef Draghi hat nunmehr im Rahmen seiner heutigen Pressekonferenz verdeutlicht, dass die Notenbank ab dem 9. März mit dem Kaufprogramm beginnen wird. Darüber hinaus hat er hervorgehoben, dass die EZB im Rahmen des QE-Programms auch Staatsanleihen mit negativer Rendite ankaufen kann, solange sich diese negative Rendite oberhalb des EZB-Einlagesatzes (derzeit -0,20%) bewegt. Damit wird der Spielraum für Ankäufe insbesondere mit Blick auf das kurze Ende der Bundkurve gering, was im Umkehrschluss Käufe am längeren Ende wahrscheinlicher macht.

Im Rahmen der heutigen Pressekonferenz hat Notenbankchef Draghi auch die neu überarbeiteten Projektionen der EZB-Stabsmitarbeiter zur Konjunktur- und Inflationsentwicklung vorgestellt. Erwartungsgemäß hat die EZB den Ausblick für die Teuerungsentwicklung im laufenden Jahr deutlich nach unten angepasst Etwas überraschend haben die EZB-Stabsmitarbeiter ihre Projektionen für das europäische BIP durchaus signifikant nach oben angepasst. Rechneten die Währungshüter für das laufende Jahr bislang mit einem BIP-Plus von 1,0%, trauen sie der europäischen Wirtschaft nunmehr ein Expansionstempo von 1,5% zu. Die EZB-Stabsmitarbeiter begründen ihre Zuversicht unter anderem damit, dass die niedrigen Energiepreise und der gesunkene Euro-Außenwert der Konjunktur Rückenwind liefert. Nach Einschätzung der Notenbank dürfte die Konjunktur auch 2016 (1,9%) und 2017 (2,1%) weiter an Schwung gewinnen.

Insgesamt bestärkt uns die heutige Sitzung in unserer Auffassung, dass die Renditen durch das anstehende Kaufprogramm der EZB weiter unter Druck bleiben werden. Nochmals niedrigere Renditen, vor allem bei mittleren und längeren Laufzeiten sind somit wahrscheinlich. Auch die Credit-Spreads dürften unter Abwärtsdruck bleiben.

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