Griechenland wird kostspielig

Beim griechischen Staat klafft eine große Finanzierungslücke, die sich voraussichtlich nicht allein durch Sparanstrengungen schließen lässt. Im Hinblick auf die Absicht der Regierung, den Sparkurs aufzuweichen, dürfte der Fehlbetrag, den wir auf Sicht der kommenden fünf Jahre auf etwa 36 Mrd. Euro beziffern, sogar größer als zuvor angenommen ausfallen.

Da Griechenland vom Primärbondmarkt gegenwärtig abgeschnitten ist, wird über eine Ausweitung des T-Bill-Limits sowie über eine Erhöhung des Kreditrahmens diskutiert. Aus Sicht der Kreditgeber empfiehlt sich die Ausgabe neuer Hilfsmittel an Griechenland nur dann, wenn sich hierdurch der Erwartungswert hinsichtlich der Rückzahlungen verbesserte. Da die Kreditgeber zwar die Vereinbarungen mit der griechischen Regierung schließen, die Unsicherheit aber groß ist, dass auch wegen des Drucks der griechischen Wähler Vereinbarungen womöglich nicht eingehalten werden, ist nicht sicher, ob Griechenland seinen Zahlungsverpflichtungen tatsächlich nachkommen wird.

Die aus Sicht der Kreditgeber womöglich bessere Option könnte ein Schuldenschnitt durch Laufzeitverlängerung oder Herabsetzung der Kreditnominalbeträge bei gleichzeitiger Erfüllung von Reformbedingungen sein, um die Steuereinnahmekraft des Staates strukturell zu stärken. Der griechische Wähler dürfte ob des Angebotes von Krediterleichterungen mehr denn gegenwärtig bereit sein, Strukturreformen zuzustimmen.

Um eine größere Schuldentragfähigkeit Griechenlands unter Berücksichtigung zu erwartender Primärüberschüsse sicherzustellen, könnte ein Schuldenschnitt von etwa 100 Mrd. Euro (Schuldenstandsquote 120%) notwendig sein. Würden überdies Zinszahlungen einstweilen gestundet, könnte Griechenland voraussichtlich ohne neue Hilfsgelder auskommen. Die Kreditgeber würden auf einen Teil der Forderungen verzichten, die höhere Schuldentragfähigkeit würde die Wahrscheinlichkeit einer Rückzahlung aber vergrößern. Unsere Berechnung zeigen, dass der Erwartungswert der Forderung nach einem Schuldenschnitt höher als gegenwärtig sein könnte. Die Krediterleichterungen im Zusammenspiel mit Reformauflagen könnten überdies die Bereitschaft der privaten Investoren vergrößern, neue griechische Staatsanleihen zu zeichnen. Die Risikoposition würde so in Teilen zumindest wieder von den öffentlichen auf die privaten Gläubiger übergehen und Griechenland wieder in die finanzielle Unabhängigkeit zurückführen.

Es lässt sich also drehen und wenden – wenn man Griechenland im Euroraum lässt, wird es für die restlichen Euro-Länder sehr teuer werden. Zudem wird das griechische Wirtschaftswachstum durch eine ungeeignete Geldpolitik und einen für Griechenland weiterhin zu festen Euro gebremst werden. Die daraus resultierenden Spannungen auf der politischen Ebene werden sich daher eher noch verstärken. Die Diskussion über einen möglichen Austritt Griechenlands aus dem Euroraum wird folglich nicht so schnell verstummen. Jedoch sollten sich die Euroländer nicht erpressen lassen, da der Euroraum einen Austritt Griechenlands wohl relativ unbeschadet verkraften könnte.

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